Anlagenbau, Gleispläne, Modellbau
Zehn typische Gleisplan-Fehler bei der Planung einer Modellbahn-Anlage

Der Gleisplan ist Ihr wichtigstes Planungsinstrument für eine Modellbahn-Anlage. Fehler im Gleisplan haben in aller Regel Zeitverluste zur Folge oder haben als Konsequenz sogar die teuere Anschaffung von falschem oder unbrauchbarem Gleismaterial zur Folge. Mit der Kenntnis von diesen 10 typischen Gleisplan-Fehlern sind Sie vor solchen negativen Effekten geschützt.

Der Gleisplan für ein Fertiggelände erlaubt praktisch keine Veränderungen, höchstens eine Erweiterung auf ein weiteres Segment (Bild: NOCH.de)

Der Gleisplan für ein Fertiggelände erlaubt praktisch keine Veränderungen, höchstens eine Erweiterung auf ein weiteres Segment (Bild: NOCH.de)

Für die Wunsch-Modelleisenbahn-Anlage ist der richtige Gleisplan die entscheidende Grundlage. Nur gibt es „den richtigen“ Gleisplan nicht, letztlich ist jede Modellbahn-Anlage ein kompletter Individualbau. Für den Gleisplan, der den Wünschen des Erbauers entspricht, den Geldbeutet nicht überfordert und zudem vorbildnahen oder zumindest sinnvoll erscheinenden Rangier- und/oder Fahrbetrieb ermöglicht, gibt es nicht das ideale Rezept. Aber mit Fachwissen und guter Planung vermeiden Sie viele der nachfolgend beschriebenen Gleisplanfehler und sparen sich unnötige Arbeit, unnötige Geldausgaben und Zeitverlust ein.

Gleisplan-Fehler 1: Vorbild oder Phantasie?

Reden wir nicht Drumherum: Jeder Gleisplan ist ein Kompromiss. Wichtig ist an sich nur, dass er in sich stimmig wirkt, die Vorbildnähe sollten Sie nicht als ein ehernes Kriterium anlegen. Zwar lässt sich durchaus ein Diorama oder eine Modellbahn-Anlage mit der maßstäblichen Umsetzung eines Nebenstrecken-Bahnhofs erbauen, aber ehrlich: Wie spannend ist das denn auf Dauer?

In solchen Fällen kann der Modellbauer stolz auf seine Leistung sein, der Modellbahner wird ziemlich schnell den Mangel an Betriebsmöglichkeiten bemerken. Wer als Vorbild beispielsweise einen großen Sackbahnhof nimmt, kann ja durchaus ein stimmiges Bild erzeugen, auch wenn er ein paar Gleise weniger installiert. Also: Grenzen Sie beim Entwurf Ihres Gleisplans nicht zwischen Vorbild und Phantasie ab, die richtige Mischung macht’s.

Gleisplan-Fehler 2: Gleiswüste anstatt Modelleisenbahn

Manch ein Modelleisenbahner möchte eigentlich nur eins: Fahren. Mit möglichst vielen Zügen gleichzeitig. Und dazu braucht es Gleise. Viele Gleise. Solch ein Gleisplan wird im Jargon als „Gleiswüste“ bezeichnet, weil die Modellbahn-Anlage im Wesentlichen eben nur aus Gleisen besteht.

Wer sich wirklich nur dafür interessiert, Züge fahren zu lassen, für den ist das sicher zufrieden stellend. Mit dem Motiv „Modelleisenbahn“ hat das aber nur eingeschränkt zu tun, da es sämtliche betrieblichen Umstände außer Acht lässt. Manchmal ist weniger (Gleis im Gleisplan) einfach mehr.

Gleisplan-Fehler 3: Hauptstrecke versus Nebenstrecke

Klarer Fall: Eine Hauptstrecke, ob eingleisig, zwei- oder sogar mehrgleisig, ist im Vorbild für Züge ausgelegt, die relativ hohe Geschwindigkeiten fahren. Das bedeutet, dass diese Stecken bei annehmbarer Vorbildnähe keine engen Kurvenradien aufweisen, sondern am besten durchgehend in einem Radius größer als dem Standardradius des verwendeten Gleissystems ausgeführt sind.

Diese Überlegung findet jedoch bei vielen Modellbahn-Anlagen keine oder nur ansatzweise Berücksichtigung. Konsequent ist, die Gleisplanung bei entsprechendem Platzangebot für Hauptstrecken vorzusehen, in anderen Fällen vorbildnah auf die stimmige Darstellung von Nebenstrecken auszuweichen. Auf den Punkt gebracht: Eine Hauptstrecken-Darstellung für Hochgeschwindigkeitszüge auf einem zu engen Radius wird weder optisch noch technisch zufriedenstellend sein.

Gleisplan-Fehler 4: Fertiggelände

Wer ein Fertiggelände kauft, spart sich eine Menge Arbeit und bekommt in aller Regel auf sehr wenig Platz ein Maximum an Betriebsmöglichkeit. Wenig bekannt ist allerdings, dass jedes Fertiggelände nur mit ganz bestimmten Gleissystemen bestückbar ist. Das betrifft sowohl die verbreitete Nenngröße H0 als auch Fertiggelände, die für die Spurweiten N oder Z gedacht sind.

Bei der Entscheidung für ein Fertiggelände ist also der Gleisplan daher sozusagen schon inkludiert, und es gibt praktisch keine Möglichkeit, dem auszuweichen. Einziger Ausweg: In manchen Fertiggeländen finden Sie abzweigende Stumpf- oder Abstellgleise, die mit einem Prellbock enden können oder über den Rand des Fertiggeländes hinaus frei zu einer Anlagenerweiterung führen können. Dort kann dann Ihr Wunsch-Gleisplan quasi wie auf einer Segment-Anlage weitergeführt werden.

Gleisplan-Fehler 5: Fehlende Gleisbögen

Die verfügbaren, unterschiedlichen Radien der Gleisbögen sind in jedem System ein wesentliches Merkmal für die Beurteilung der Verwendung und Einsetzbarkeit. Prüfen Sie vor jeder Planung einer Modellbahn-Anlage, welche Gleisbögen Ihnen die infrage kommenden Gleissysteme bieten. Während einfache Systeme es bei drei Radien belassen, können es bei hochwertigen Gleissystemen auch 5 und mehr Radien sein, aus denen Sie Ihre Streckenführung perfekt anpassen können.

Entscheidend dabei ist, dass parallel verlaufende Gleisbögen speziell bei zwei- oder gar mehrgleisigen Hauptstrecken eben in den gewünschten Radien im Gleissystem vorhanden sein (oder mit Flexgleisen selbst gebogen werden) müssen, sonst wird Ihre Planung massiv behindert. Generell kommen in diesem Punkt bei der H0-Nenngröße die Zweileiter-Fahrer besser weg, denn es gibt es großes Angebot an Gleissystemen. Die Mittelleiter-Fahrer sind hingegen, abgesehen vom Selbstbau, im Wesentlichen auf nur zwei Gleissysteme festgelegt.

Gleisplan-Fehler 6: Gleisbögen mit falschem Radius

Wer z.B. in 1:87 maßstabgetreue Schnellzugwaggons einsetzen möchte, muss die im Gleisplan verwendeten Radien pingelig planen. Es sieht einfach übel aus, wenn vorbildgerecht-lange Vierachser sich durch zu enge Radien quälen müssen und die Wagenkästen weit in die Kurve hineinragen. Das ist zunächst einmal sehr vorbildfern, darüber hinaus verschlechtert aber auch die Betriebssicherheit. Zu bedenken ist immer, dass speziell Tunnelportale, aber auch Bebauung und Streckenelemente wie Signale bei falscher Planung der Gleisbögen „umgemäht“ werden können. Es empfehlen sich daher unbedingt Stellproben, bevor Sie Anlagenteile mit engen Radien endgültig fixieren.

Gleisplan-Fehler 7: Gleisplan-Fallen

Ok, bei Modell-Tests werden gerne auch vorsätzlich S-Kurven im Gleisplan verwendet, um zu zeigen, wie stabil und betriebssicher Fahrzeuge diese extreme Gleisform durchfahren können. Trotzdem sollten Sie, vielleicht einmal abgesehen von einer Nebenbahn-Stecke für zweiachsige Museumswagen, solche Gleisfiguren grundsätzlich vermeiden. Zum einen sind sie nicht vorbildnah, und was noch schlimmer ist, speziell die modernen Kurzkupplungskinematiken (KKK) mögen diese Gleisfigur absolut nicht. Nicht selten kommt es dazu, dass ein Drehgestell aus dem Gleis gehoben wird und eine Entgleisung einer oder mehrerer Waggons die Folge ist.

Gleisplan-Fehler 8: H0-Achterbahn

Der Gleisplan sollte der Intention des Modellbahners folgen. Wer also viel Fahrbetrieb haben möchte, braucht einen anderen Gleisplan als derjenige, der Wert auf Rangierbetrieb oder den Nachbau einer Vorbild-Szene in einem Diorama plant. Speziell den „Märklinisten“ unter den Modelleisenbahnern wird ja nachgesagt (oder je nach Sichtweise unterstellt), sie würden Wert auf viele fahrende Züge und wenig vorbildnahen Modellbau legen. Als Folge aus dem Streben, möglichst viel Fahrbetrieb auf der Anlage zusammenzufassen, werden Gleiswendeln, Brücken, Rampen, Überführungen und Tunnel auf engstem Raum gebaut – teils in Gestaltungen, die im Vorbild völlig irreal wären.

Nicht umsonst wird dann in lästernden Fachkreisen von einer „H0-Achterbahn“ gesprochen. Es sollte also auch beim Wunsch nach viel Fahrbetrieb nicht völlig aus den Augen verloren werden, wieviel Fahrbetrieb Schienenfahrzeuge in stimmigen, vorbildnahen Anlagen leisten können und sollen.

Gleisplan-Fehler 9: Gleisplan und betriebliche Erfordernisse

Für fortgeschrittene Modellbahner haben Anlagen und Dioramen das Ziel, einen betrieblichen Ablauf des Vorbilds möglichst stimmig darzustellen. Das jedoch hat erheblich Einfluss auf den Gleisplan, schließlich gibt es kein Vorbild, das einfach nur im Kreis oder Oval fährt (außer Teststrecken, Vergnügungsbahnen, Parkeisenbahnen und gelegentlich dem Nahverkehr (Ringbahnen)) und auf Drehscheibe, Abstellgleise, Bahnhof, Weichen oder Ausweichgleise verzichtet.

Stimmen Sie daher Ihren Gleisplan mit der gedachten betrieblichen Anforderung des Vorbilds ab. Und wenn Sie dann einfach nur Ihre Hochgeschwindigkeitszüge vorbildnah möglichst schnell über Ihre zweigleisige Hauptstrecke jagen möchten, ist das auch ok.

Gleisplan-Fehler 10: Fehlende Flexgleise

Wie schon erwähnt: Es gibt nicht in jedem Modellbahn-Gleissystem jedes Gleiselement. Nicht umsonst haben viele Modellbahn-Hersteller auch für dieselbe Spurweite gleich zwei Gleissysteme im Angebot. Dann richtet sich eines meist eher an die Einsteiger oder „Teppichbahner“, eines eher an die Modellbahner mit hohem Anspruch an Vorbildnähe.

Der „Lackmustest“ für ein Gleissystem ist das Vorhandensein von Flexgleisen, denn nur mit Flexgleisen ist (abgesehen vom Individualbau von Gleisen) sind in einem Gleissystem aus Großserienproduktion individuelle Gleisfiguren und sehr großzügige Gleisbögen realisierbar. Berücksichtigen Sie daher in Ihrem Gleisplan, ob das gewählte System auch Flexgleise beinhaltet und beziehen Sie diese in Ihre Planung ein.

Literaturempfehlungen: 

Von: Rudolf Ring
 
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