Sonntag 01. September 2019
So schließen Sie Lücken zwischen den Schienen und beugen Entgleisungen vor

Eisenbahn-Puristen hören es oftmals durchaus gerne, wenn Metallräder über einen nicht perfekt geschlossenen Schienenstoß rattern. Das befördert ja auch eine gewisse akustische Authentizität, zumindest in den Epochen vor der Erfindung der „endlosen Schiene“. Wird jedoch aus einem kleinen Schienenspalt eine große Fuge oder Lücke, sollten Sie Maßnahmen ergreifen, bevor es zu Betriebsstörungen kommt.

Der Spaß am Modellbahn-Hobby ist wesentlich von dem sicheren Betrieb einer Anlage abhängig. Unabhängig vom verwendeten Gleissystem gibt es in jedem Modellbahn-Gleissystem das Praxis-Problem, dass manche Verbindungen der Gleiselemente nicht zu 100% passen. Die Folge sind kleine Lücken im Schienenstrang, die sich bis zu Lücken von vielen Millimetern auswachsen kann. Das ist dann keineswegs nur ein optischer Mangel, denn Lücken zwischen den Modellbahn-Gleiselementen haben diverse Nachteile:

 

 

  • Die elektrische Verbindung zwischen zwei Schienen verschlechtert sich, da ja mindestens eine Schiene nicht in vollem Umfang im Schienenverbinder steckt.
  • Die mechanischen Eigenschaften des Schienenübergangs sind nicht wie vom Hersteller vorgesehen, zwei Schienenelemente können sich gegeneinander horizontal oder vertikal verschieben. Es kann aufgrund dessen zum Entgleisen von Fahrzeugen kommen.
  • Der kleine „Hüpfer“, den alle Räder an einer Lücke zwischen den Schienen machen, verschlechtert ganz allgemein das Rollverhalten der Fahrzeuge.
  • Je nach verwendetem Kupplungssystem kann es auch zu Entkupplungen kommen.
  • Im schlechtesten Fall kann sogar eine Entgleisung die Folge sein, insbesondere dann, wenn die Lücke sich auf der kurvenäußeren Schiene in einem engen Gleisbogen befindet.

 

Zusammengefasst: Sichtbare Lücken zwischen den Schienen sind nicht nur unschön, sie verschlechtern auch das Betriebsverhalten. Mit diesen Methoden verschließen Sie Lücken zwischen Schienen:

1. Mehrere kurze Gleiselemente

Kleine Lücken zwischen Schienen sind aus der Sicht der Betriebssicherheit meist harmlos. Wenn zwischen zwei Schienenelementen eine auffallend große Lücke besteht und die Gleise noch nicht auf einer Anlage fixiert sind, hilft es, die verwendeten Gleiselemente zu tauschen. Wechseln Sie ein „langes“ Gleiselement gegen mehrere „kurze“ aus. Dadurch können Sie nicht nur die Richtung Ihrer Gleisführung besser anpassen, auch eventuelle Lücken in den Schienen verteilen sich dadurch auf mehrere praktisch vernachlässigbare Lücken, die keine negativen Einflüsse auf das Betriebsverhalten Ihrer Modellbahn-Anlage haben. 

2. Schienenrest einpassen

Eine einfache Möglichkeit, eine größere Lücke in Ihrem Modellbahn-Schienenstrang zu schließen, ist das Einsetzen eines kleinen Stücks aus einem Schienenrest. Dazu flexen Sie mit einer Dremel oder Proxxon ein passendes Stück ab und setzen es in den Schienenverbinder. Dieser Trick funktioniert besonders gut, wenn die Gleiselemente noch nicht auf dem Untergrund fixiert sind und ein ergänzendes Stück in den Schienenverbinder eingeschoben werden kann.

3. Weichlöten

Das waren noch Zeiten, als Modellbahner mit den alten Märklin-M-Gleisen Lücken ganz einfach per Weichlöten schließen konnten. Ein bisschen feilen, fertig. Das ist mit modernem Schienenmaterial nur noch sehr eingeschränkt möglich, denn die verwendeten Schienenmaterialien lassen sich teilweise nur noch schlecht löten und Kunststoffelemente im Gleiskörper verformen sich unter Umständen durch die Hitzeeinwirkung. Prüfen Sie daher im Einzelfall abhängig vom verwendeten Schienenmaterial, ob Weichlöten eine Lücke schließen kann. Vorteil der Verlötung ist nicht nur die mechanische Stabilität, zudem wird damit auch die elektrische Leitfähigkeit sichergestellt.

4. Heißkleben

Mit einem kleinen Tropfen Heißkleber (Schmelzkleber) lässt sich eine solche ungewünschte Lücke ebenfalls gut verschließen. Denn Schmelzkleber lässt sich mit einem scharfen Messer, z.B. einem Teppichmesser, sehr gut in die gewünschte Form schneiden. Damit Sie möglichst wenig nacharbeiten müssen und keine „Heißkleber-Sauerei“ entsteht, sollten Sie die Fuge mit etwas Klebeband an den beiden Schienenwangen abdichten. Heißkleber ist wie auch die nachfolgend aufgeführten Klebemethoden elektrisch isolierend. Wenn also mit der Lücke auch elektrische Probleme einhergehen, muss möglicherweise noch eine zusätzliche Kabelverbindung zwischen diesen Schienenabschnitten erstellt werden.

5. Spezialkleber und Spachtelmasse

Sehr gute Ergebnisse lassen sich mit Spezialklebstoffen erzielen. Dazu zählen insbesondere Zweikomponentenkleber wie Henkel Stabilit Express, ein schnellhärtender Zweikomponenten-Klebstoff auf Methacrylat-Basis. Als Alternative zum Zweikomponentenkleber ist noch die Revell PLASTO Spachtelmasse zu nennen, die sich ebenfalls nach dem Trocknen sehr gut schleifen und nötigenfalls farblich nachbehandeln lässt.

 

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Von: Rudolf Ring
 
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