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Modellbahn spinnt? Diese Tipps sichern eine zuverlässige Rückmeldung auf Ihrer Anlage

Auf jeder Modellbahn-Anlage ist es mindestens ärgerlich, oft sogar mit massiven Betriebsstörungen verbunden, wenn die Rückmeldung "spinnt". Denn dann kann auch die beste Digitalzentrale Ihre Modelleisenbahn nicht zuverlässig steuern. In diesem Beitrag finden Sie daher praxisgeprüfte Tipps, mit denen Sie eine zuverlässige Rückmeldung bei der digitalen Modellbahn sicherstellen.

Gegen Störungen helfen Entstördioden, die bei Rückmeldemodulen an jedem der 16 Eingänge vorgesehen werden (Quelle: LDT Datentechnik Peter Littfinski).

Wo digitale Signale transportiert werden, sind Störungen auf andere elektrische Geräte nichts Ungewöhnliches – über kurze Entfernungen im Besonderen. Ganz anschaulich demonstriert sich das mit dem Handy neben dem Fernseher oder einem Radio, ein Effekt, den wohl jeder schon einmal gehört hat.

Bei der Modellbahn ist das nicht anders. Enge Abstände zwischen unterschiedlichen elektrischen Leitungen sind hier gang und gäbe. Dazu muss man wissen, dass jedes Kabel für elektrische Signale auch eine Antenne darstellt, die genau diese Signale mehr oder weniger stark in ihre nähere Umgebung sendet und auch empfängt.

Ein gutes Beispiel aus der analogen Welt ist die 50-Hz-Wechselspannung, die in empfindlichen Mikrofonverstärkern und -zuleitungen einen lästigen Brummton erzeugt.

Ein hervorragendes Mittel gegen Einstrahlstörungen ist ein gut abgeschirmtes Kabel, dessen Abschirmung mit der Masse des oder der elektrischen Geräte verbunden wird. Je nach Frequenz der in dem Kabel übertragenen Signale erfolgt die Masseverbindung der Abschirmung auf unterschiedliche Art und Weise.

In digitalen Modellbahnanlagen sind die Digitalspannung führenden Leitungen die größten Störer. Sie sind je nach Anlagengröße mehr oder weniger lang – schließlich soll die Fahrspannung möglichst mehrmals eingespeist werden, und die Magnetartikel, wie Weichen und Signale, sind zumeist ebenfalls über die ganze Anlage verteilt. Rückmeldeleitungen sind hervorragende Empfangsantennen und daher für Störer besonders empfänglich.

Beim Modellbahn-Anlagenbau gilt: Je größer eine Anlage ist, umso größer ist auch die Gefahr von Störeinstrahlungen. Die Anlage des Verfassers hat die Abmessungen von ca. 3,5 m x 6,5 m und ist in Dreileitertechnik aufgebaut.

Wichtige Grundregeln bei der Verdrahtung der Modellbahn-Anlage

  • Eine Rückmeldeleitung darf niemals parallel zu oder gar mit einer Versorgungs- oder Digitalleitung verlegt werden. Ein Abstand von wenigstens 15 cm sollte unbedingt eingehalten werden.
  • Wenn andere Leitungen gekreuzt werden müssen, dann nur in großem Abstand, eventuell zusätzlich abhängen.
  • Die Rückmelde-Leitungen untereinander können parallel mit größerem Abstand verlegt werden.
  • Der Diodentrick: Eine Diode mit der Kathode in Richtung zum Rückmelde-Schienenabschnitt einfügen.

 

In größeren Anlagen werden oft Booster eingesetzt, und die Stromversorgung wird auf zwei oder mehr Gleisabschnitte aufgeteilt. Selbstverständlich bleibt der Magnetartikel-Stromkreis davon getrennt. In dieser Konstellation gibt es also gleich drei potenzielle Störquellen.

Durch die Größe der Anlagen werden naturgemäß die Rückmeldeleitungen länger. Lange Leitungen, über mehrere Meter, sind ideale Antennen, um die digitalen Streusignale zu empfangen. Littfinski (LDT Datentechnik) empfiehlt daher folgende bewährte Maßnahmen:

  • Die Rückmeldemodule in die Nähe der mit Rückmeldeleitungen zu überwachenden Gleisabschnitte zu bringen und
  • die Rückmeldemodule über abgeschirmte Netzwerkkabel (doppelt geschirmt, 'double-shielded') zu verbinden, die wegen ihrer Abschirmung deutlich weniger einstrahlempfindlich sind. Netzwerkkabel sollten vom Typ CAT 6 sein, der besser gegen Nebensignale und Rauschen geschützt ist als CAT 5. 

 

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Eine nicht unwesentliche Rolle für Störungen im Rückmeldekreis ist die richtige Erdung. Normalerweise haben die Fahrstromkreise auch bei Verwendung mehrerer Booster eine gemeinsame Masseleitung. Die Digitalspannung für die Magnetartikel verwendet man in der Regel eine eigene Masseleitung. Das muss aber vor allem bei größeren Anlagen nicht unbedingt ein Credo sein.

Niederfrequenztechniker wissen um die Probleme mit Brummschleifen, etwa in selbst gebauten Ela-Anlagen, vielfach auch verbunden mit der Einstrahlung durch starke Rundfunksender. Zu ihrer Vermeidung gilt eine wichtige Regel: ein gemeinsamer Massepunkt möglichst an der empfindlichsten Stelle des Verstärkers.

Übertragen auf die Digitaltechnik kann dies durchaus bedeuten, dass bei hartnäckigen Störungen im Rückmeldekreis eine gemeinsame Masse aller Boosterkreise (auch der Magnetartikel) durchaus „Wunder“ bewirken kann – arbeiten doch die digitalen Signale in Modellbahnanlagen auch mit Frequenzen im Niederfrequenzbereich unter 20 kHz. Diese gemeinsame Erdung in der Nähe des digitalen Steuergerätes und der Booster hat sich als durchaus hilfreich herausgestellt.

Wichtiger Tipp zum Schluss! In den Versorgungsleitungen für die digitale Fahrspannung sollten immer möglichst dicke Kabel eingesetzt werden. Sie verhindern, dass es in den Kabeln zu Spannungsverlusten kommt. Zu dünne Leitungen haben aber noch einen viel entscheidenderen Nachteil: Sind sie zu dünn, können sie sich durch den erhöhten Stromfluss erwärmen, im ungünstigsten Fall sogar so heiß werden, dass Brandgefahr besteht.

 

 

Von: Henning Kriebel
 
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