Sonntag 31. Mai 2020
Mit diesen Maßnahmen verhindern Sie Entgleisungen Ihrer Modellbahn-Waggons

Den physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt die Modelleisenbahn genauso wie die Vorbildbahn. Und da sich die Physik nicht in einen Maßstab umwandeln lässt, verursacht eine zu hohe Geschwindigkeit einfach so eine Entgleisung, das ist klar soweit. Aber insbesondere Modellbahn-Einsteiger ärgern sich oft über Entgleisungen bestimmter Fahrzeuge, ohne die Ursache zu bestimmen und beheben zu können. Hier ein paar wichtige Informationen aus dem Wissensgebiet der Spurführungsmechanik zum sicheren Modellbahnbetrieb ohne Entgleisungen.

H0-DC-Zweileiter-Radsatz nach NEM von Roco

H0-DC-Zweileiter-Radsatz nach NEM von Roco

Eine Modelleisenbahn, die dauernd entgleist, macht keinen Spaß, mal ganz davon abgesehen, dass sie sich damit vom vorbildnahen Betrieb verabschiedet. Während „Vitrinenbahnern“ das alles ziemlich egal ist, werden Betriebsbahner im Fahrbetrieb von Entgleisungen oftmals genervt, vor allem dann, wenn sie sich nicht schlüssig erklären lassen.

Festhalten kann man schon mal: Wenn es immer derselbe Waggon ist, der entgleist oder dieselben Typen von Waggons sind, die Ärger machen, dann sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Gleisbau und die Schienen die Schuldigen, sondern die Ursache muss irgendwo bei den Waggons liegen.

In dem Zusammenhang ist aber auch festzuhalten, dass manche Waggons sozusagen Detektoren für Mängel im Gleisbau sind. Anders gesagt: Wäre der Gleisbau perfekt und alle Schienen würde ideal nebeneinanderliegen, gäbe es bestimmte Entgleisungen auch nicht.

Aber da es nun mal viel einfacher ist, Mängel an einem Waggon zu beheben, anstatt einen fertiggestellten Gleisbau wieder auseinanderzureißen, prüfen Sie am besten zuerst unabhängig von der Modellbahn-Nenngröße und der Spurweite des Gleises die folgenden Punkte:

1. Verschmutzungen beheben

Im einfachsten Fall haben sich nur die Modellbahn-typischen Verschmutzungen von den Schienen, ein Gemisch aus Gummiabrieb, Hausstaub sowie Ölen/Fetten, auf der Lauffläche der Räder festgesetzt und eine dicke Kruste gebildet. Es ist geradezu erstaunlich, wie hartnäckig diese Schmutzplacken sich an den Laufflächen verfestigen. Neben der Verschlechterung der Laufeigenschaften verschlechtert sich auch die Stromübertragung, was sich bei beleuchteten Personenwagen oder Güterwagen mit Digitalfunktionen negativ bemerkbar machen kann. Lösung: Hier hilft schlichtes Reinigen.

2. Gewicht der Fahrzeuge optimieren

Ein Problem, das in allen Nenngrößen vorkommt: Sind Waggons zu leicht, laufen sie nur am Zugende zuverlässig. Beispielsweise werden leichte Flachwagen hinter einer Lok, gefolgt von schweren Tankwagen in engen Kurven oder Weichenstraßen möglicherweise aus dem Gleis gezogen.

Einfache Lösung: Sie erhöhen das Gewicht der Flachwagen durch eine Beladung. Eine Metallplatte als Beschwerung unter einer Beladung getarnt, bringt mehr Fahrsicherheit. Bei Kastenwagen oder Containerwagen helfen Bleigewichte, die es günstig beim Zubehörhandel für Angler gibt. Aber nicht zu viel Gewicht auf die Wagen bringen, sonst kommt die Lok ins Schleudern und die Spitzenlagerung der Achsen verschleißt schneller.

3. Radsätze optimieren

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, den Radsätzen. Unscheinbar drehen die Räder der Modellfahrzeuge im doppelten Sinne ihre Runden und man ahnt nicht, wie aufwendig ihre Produktion ist. Der Ausschuss bei der Produktion kann bis zu 50% betragen! Das heißt, die Hälfte aller produzierten Räder können bei einer hochwertigen Modelleisenbahn nicht verwendet werden. Die Räder bestehen ja auch nicht nur aus zwei Radscheiben und einer Achse. Bei allen Zweileiter-Systemen gehört auch noch ein Isolierring dazu, der exakt sitzen muss und keine Unwucht haben darf.

Wenn ein bestimmter Waggon immer wieder entgleist, und das auch noch nach einem offensichtlichen Zufallsprinzip an unterschiedlichen Stellen Ihrer Anlage, prüfen Sie die Radsätze des betreffenden Waggons.

  • Lassen Sie den Wagen auf einer waagerechten Fläche (Tisch, Glasplatte) rollen und kontrollieren mit einem Blick von der Seite, ob der Waggon sich auf- und ab bewegt. In so einem Fall hat mindestens ein Rad einen Höhenschlag.
  • Drehen Sie die Radsätze auf der Unterseite mit dem Zeigefinger und kontrollieren Sie, ob ein Seitenschlag eines Rades zu erkennen ist.

 

Minderwertige Radsätze mit Höhen- oder Seitenschlag sind schon bei Modellen praktisch aller Hersteller beobachtet worden. Billiganbieter im Markt sparen aber offenbar an den Radsätzen besonders gerne, denn bei Billig-Modellen finden Sie teilweise Radsätze aus Kunststoff anstelle eines soliden Metall-Radsatzes. Treten dann Mängel im Fahrbetrieb auf, sollten Sie diese Radsätze konsequent ersetzen.

Sonderfall: Bei „Märklinisten“ ein vielfach zu beobachtendes Missverständnis entsteht beim Betrieb von Waggons der Zweileiter/Gleichstrom-Hersteller auf Märklin-Gleisen. Das kann problemlos funktionieren, muss aber nicht. Denn die Geometrie von Radsatz und Rädern unterscheidet sich durchaus. Wenn „Gleichstrom-Waggons“ (ok, den Waggons ist die Art des Stroms wirklich egal) auf „Wechselstrom-Anlagen“ (ist den Waggons auch egal) entgleisen, führt kein Weg am Tausch der Radsätze vorbei. Entsprechende Tauschradsätze bietet der Fachhandel.

4. Entgleisungen bei „Modellbahn“-Billig-Startpackungen

Auf Online-Plattformen wie eBay, Amazon, Rakuten und Wish bieten Händler in großer Stückzahl und in vielen Produktvarianten batteriebetriebene „Modellbahnen“ an. Die Preise für Gleise, Rollmaterial und „viel Zubehör“ sind unfassbar niedrig, meist zwischen 20 und 30 Euro. Mein Rat: Kaufen Sie diese markenlosen China-Produkte keinesfalls, das Geld ist zum Fenster rausgeworfen, die tollen Produktbewertungen allesamt gefälscht (oder alle Rezensenten waren bekifft).

Fakt ist: Diese Billigst-Produkte haben kein Fahrverhalten, das in irgendeiner Form einen Modellbahner zufrieden stellen könnte, und sei er noch so jung. Schaffen Sie besser ein Markenprodukt an, ansonsten wird die Freude an der Modellbahn schon in jüngsten Jahren durch viel Frust jäh beendet.

Empfehlenswert sind für H0-Fans die Programme Märklin Start-Up oder die kindergeeigneten Startpackungen von PIKO. Wer kindgerecht zu größeren Modellen greifen möchte, der sollte einen Blick auf das Dickie Train System werfen. Mit einem Maßstab von 1:32 passen die vereinfachten Modelle sogar zur „Königsspur“ genannten Nenngröße Spur 1.

 

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Von: Rudolf Ring
 
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