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Samstag 15. Dezember 2018
R.I.P CeBIT – Kommentar zum Aus der ehemals größten IT-Messe der Welt

It's CeBIT-Time, so hieß es Jahr für Jahr, immerhin 33 Jahre lang. Dort traf man jedes Jahr viele Kollegen, Redakteure, Autoren und Leser, die direkt oder indirekt auch am Thema Modelleisenbahn schaffen. Schließlich ist die Modelleisenbahn ein sehr technisches Hobby, und vieles, was die CeBIT zeigte, war einige Zeit später bei Modellbahnern und Modelleisenbahn-Anlagen im Einsatz, zudem zeigte auch die große Bahn immer mal wieder interessante Exponate. Nun ist es vorbei, alle Versuche zur Rettung sind letztlich gescheitert. Da half es auch nicht mehr, dass SAP bei der letzten Auflage ein Riesenrad auf das riesige Messegelände stellte.

Es gab Zeiten, da war das Internet noch „Neuland“, in Paderborn wurden PCs gebaut und sogar Siemens (SIEMENS!) baute noch Mobiltelefone. Die 1986 als Ableger der Hannover Messe gestartete CeBIT (Centrum der Büro- und Informationstechnik) war einst die größte und bedeutendste Computermesse der Welt, auf der Bill Gates sein neues Windows 95 noch persönlich präsentierte – Bluescreen inklusive.

In den 90er Jahren pilgerte Hunderttausende ins praktisch im März immer verregnete Hannover. 1999 verzeichnete der Veranstalter mehr als 7.400 Aussteller und AOL kündigte die erste Internet-Flatrate an.

Anfang der 2000er-Jahre wurden weit über 800.000 Besucher gezählt, auf der CeBIT traf sich das Who-is-Who der Branche. Danach kannten die Zahlen von Ausstellern und Besuchern nur noch einen Weg: Nach unten. 2018 war die Messe in den Juni verlegt worden, es kamen noch 120.000 Besucher, das sind nur rund die Hälfte der IFA-Besucher. Und die Teilnahme der Telekom war 2018 erst durch einen Anruf von höchster politischer Stelle aus Berlin sichergestellt – schließlich eröffnet die Kanzlerin traditionell die CeBIT.

Früher waren CeBIT-Survival-Tipps ein Renner in allen Publikationen. Die braucht es nicht mehr, denn jetzt ist es Fakt: Die Hoteliers können keine dreifachen Zimmerpreise mehr verlangen, die Deutsche Bahn braucht keine Sonderzüge mehr organisieren (was ihr derzeit wahrscheinlich sogar recht ist), und in vielen Unternehmen muss die Vertriebsmannschaft ein Terminloch im März füllen.

Die Ursachen für das Aus sind vielfältig: Der Niedergang begann, als die großen Provider wie Computer 2000 oder Peacock nicht mehr gerne gesehen waren, die mit ihren Neuheiten auch jede Menge Endkunden (im Jargon „Beutelratten“) anzogen. Und groteske Preise für eine Tageskarte von 59 Euro machten die CeBIT bei privaten Interessenten ebenfalls unattraktiv. Zuletzt fiel die Messe beim Großteil der Interessenten nur noch durch ein unklares Messekonzept und seltsame Wortschöpfungen wie d!conomy auf.

Private Interessenten waren sowieso unerwünscht – die freuen sich jetzt jedes Jahr auf die tollen Neuheiten, die auf der IFA in Berlin gezeigt werden. Hoffen wir, dass dort nicht dieselben Fehler wie in Hannover gemacht werden. Ein positives Beispiel ist die Gamescom in Köln: Immerhin gab es auf der CeBIT auch mal eine „Zocker-Halle“, inklusive ausgespielten Meisterschaften und den allerneuesten Games. Das alles hat sich nun von Hannover nach Köln verlagert.

Was bedeutet das Aus nach 33 Jahren für den IT/TK- und Messe-Standort Deutschland? Auch wenn viele die Messepartys vermissen werden – der Einfluss der CeBIT auf das Geschäft war sowohl für die Major-Player im deutschen Markt wie auch die StartUp-Szene nur noch marginal. Wahrscheinlich begrüßen viele Unternehmensleitungen im Stillen das Ende mit Schrecken, damit sie um ein Schrecken ohne Ende herumkommen.

Die CeBIT startete als Spin-off der Hannover Messe, die industrienahen Digitalthemen der CeBIT sollen nun in die Hannover Messe integriert werden – sozusagen zurück vom Büro wieder hinein in die Produktion. In Zeiten von „Industrie 4.0“ ist das sicher eine sinnvolle Rückbesinnung, denn die Vernetzung von Produktion, Diensten, Soft- und Hardware ist das eigentliche Zukunftsthema für den Standort Deutschland.

Von: Rudolf Ring
 
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