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Samstag 21. Februar 2009
Mehano-Fabrik soll Wohnanlage werden - was ist mit Reparaturen, Gewährleistung und Ersatzteilservice?

Mehano hat die Finanzkrise als Vorwand verwendet, um seine Mitarbeiter zu "entsorgen" und auf Kosten dieser Menschen und des Landes Slowenien seine Gewinne zu steigern, klagt Generalsekretär Peter Majcen öffentlich an. Aus der ehemaligen Fabrik soll eine Wohnsiedlung werden.

Die Webseite der Firma Mehano gibt keine Auskunft über die Entwicklung der letzten Monate: Die Fabrik wurde wie von uns berichtet geschlossen, von den vorher 160 Mitarbeitern sind mittlerweile 140 entlassen, ein Rest von 20 Mitarbeitern soll noch die Abwicklung übernehmen und auch für Garantie-/Gewährleistungsfälle und Reparaturen zuständig sein.

Doch das ist nicht das Ende von Mehano, das Unternehmen tritt weiter auf geheimnisvolle Art auf, zum Beispiel mit einem Stand auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Statt neue Modelle vorzustellen, wurde für einen Kundenclub geworben, soweit bekannt, sollen gegen Vorkasse 3 Mehano-Modelle erworben werden, das genaue Angebot war leider nicht zu ermitteln, da die Informationen verwehrt und auf den deutschen Importeur verwiesen wurde. Doch dort sucht man Informationen zu diesem Club vergebens, auch sonst im Internet war nichts dazu zu finden.

Unter dem Tresen lagen Listen mit etwa einem Dutzend angebotener Modelle. Sehr merkwürdig: Was da von Mehano angeboten wurde, wollte man nur Händlern verraten. Es gab keine Endkundenprospekte, keine Presseunterlagen.

Im Gegenteil scheint Mehano keinerlei Interesse daran zu haben, die angebotenen Waren in der Öffentlichkeit zu bewerben: Als sich Redakteure von "Modellbahntechnik-aktuell" dem Stand näherten und der Mitarbeiter von Mehano die Presseschilder sah, suchte der junge Mehano-Mitarbeiter fluchtartig das Weite.

Zurück blieb jemand, der sich nicht vorstellte, nach eigenen Angaben nicht bei Mehano angestellt wäre und "nicht für Mehano sprechen" dürfe. Immerhin bestätigte er, dass es mit Mehano weitergehen soll, die Produktion von Mehano würde in China "wie bisher" weiterlaufen. Mehano sei auch nicht Pleite, nur das Werk in Izola geschlossen worden. Mehano gehöre einer Holding, die nicht insolvent sei. Der Name der Holding wurde nicht genannt.

Warum tut Mehano so geheimnisvoll? Es dürfte nicht das schlechte Gewissen sein, dann verhält man sich anders gegenüber Endkunden und Pressevertretern. Vielmehr dürfte Mehano wohl mit dem Enthüllen der zukünftigen Pläne abwarten, bis in Slowenien Gras über die Fabrikhallen gewachsen ist.

Denn hier herrscht große Empörung über die Vorgehensweise bei Mehano. Nicht die Wirtschaftskrise und der Auftragsrückgang sollen für die Schließung der Fabrik verantwortlich sein, sondern das sei nur ein "Vorwand des Arbeitgebers, um seine Arbeitnehmer zu entsorgen und sich zu bereichern auf Kosten des Landes und der Menschen", klagte Generalsekretär Peter Majcen an. In Slowenien ist derzeit ähnlich wie in Deutschland ein Firmensterben immensen Ausmaßes zu beobachten, so verloren etwa in der fünftgrößten Stadt Velenje bis Mitte Februar 76.000 Menschen ihren Arbeitsplatz, im gesamten Vorjahr waren es 10.000.

Vielleicht fürchtet die Mehano-Holding finanzielle Regreßansprüche des slowenischen Staates, wenn sich herausstellt, dass munter in China weiter produziert wird, während die Menschen in Izola auf der Straße stehen und wohl kaum in naher Zukunft eine neue Anstellung finden dürften. In einem ähnlich gelagerten Fall bei der Verlagerung des Nokia-Werks aus Bochum wurden Millionen gezahlt. Die geheimnisvolle Holding hofft vielleicht, ungeschoren davon zu kommen, da Mehano ja ein relativ kleines Unternehmen ist.

Wie die Entwicklung bei Mehano weiter verläuft hat Auswirkungen auf jeden Modellbahner, der Mehano-Modelle besitzt oder deren Anschaffung überlegt. Schon in der Vergangenheit war die Ersatzteilbeschaffung laut etlicher Forenbeschaffung langwierig, wenn nicht gar unmöglich. Sicher zumindest für die Premium-Schiene kein hinzunehmender Zustand. Bisher ist hier auch keine Besserung in Sicht, im Gegenteil: Mehano hat laut einem Artikel von Dnevnik.si beantragt, aus der ehemaligen Fabrik eine Wohnsiedlung zu machen. Es ist kaum zu erwarten, dass dort die verbliebenen 20 Mehano-Mitarbeiter in Heimarbeit anfallende Reparaturen und Garantie- oder Gewährleistungsfälle vornehmen.

Die Mehano-Modelle der Premium-Reihe waren durchaus gut, das zeigt auch der Vergleichstest Vossloh/MaK G1206 von Märklin/Trix versus dem Modell von Mehano in der Dezember-Ausgabe von Modellbahntechnik-aktuell. Doch das nützt nichts, wenn der Service nicht stimmt. Bevor Mehano hier nicht den Mantel des Schweigens lüftet und klar sagt, was in Zukunft passieren wird, welche Modelle es geben wird, wo diese gefertigt werden und wie die Versorgung mit Ersatzteilen für die alten und neuen Modelle aussieht, empfiehlt der Autor den Kauf nur zu absoluten Schnäppchenpreisen.

Der Vergleichstest wäre unter den heute bekannten Umständen auch wohl zu Gunsten des Märklin/Trix-Modells ausgegangen, denn Märklin bzw. Trix sind zwar ebenfalls in der Insolvenz, aber hier wird eine völlig andere Informationspolitik betrieben und man sieht sich dort den Kunden und dem Service verpflichtet. Was nützt das schönste Modell, wenn es keine Ersatzteile dafür gibt?

Von: MAB