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Mittwoch 13. August 2008
Märklin Chef Dietz geht: Eine Bilanz nach 18 Monaten

In der traurigen, jüngeren Geschichte des Modellbahn-Marktführers aus Göppingen ist mit der Ära Axel Dietz ein neuer Tiefpunkt erreicht. Der 48-Jährige, der der Geschäftsführung seit Februar 2007 vorsteht, verlässt Märklin „auf eigenen Wunsch“ zum Ende des Jahres. Trotz der positiv klingenden, letzten Pressemitteilung („Der Umsatz bei Märklin ist im ersten Halbjahr 2008 um 22 Prozent auf 47 Millionen Euro gestiegen, der Auftragseingang um 12,3 Prozent.“) hinterlässt der ehemalige Chef des Molkereikonzerns Theo Müller desaströse Ergebnisse:

Die Finanzen: Nach 2006 und 2007 wird Märklin auch 2008 keinen Gewinn machen. Weiterhin ist das Unternehmen hoch verschuldet: Bereits 2006 überstiegen die Schulden das bilanzielle Vermögen um 6 Mio. €, Tendenz seither eher steigend.

Die Belegschaft: Seitdem wurden zwei Werke geschlossen, Hunderte von Stellen abgebaut und Teile der Produktion nach Ungarn und Fernost ausgelagert. Dietz hinterlässt nicht nur eine verunsicherte Belegschaft, sondern nach dem Weggang von wichtigen Führungskräften aus nahezu allen zentralen Bereichen des Unternehmens (Entwicklung, Personal, Vertrieb, Finanzen), darunter Ute Klapdor (Bereichsleiterin Finanzen und Controlling), der langjährige Verkaufsleiter der Märklin-Marke Trix, Christoph Schmantek sowie der langjährige Chefentwickler Klaus Kern leidet Märklin auch an „Firmen Alzheimer“. Es gehen schließlich nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Kompetenzen.

Der Führungsstil: Märklin-Mitarbeiter beschreiben Dietz als Choleriker. Bei einer Betriebsversammlung musste er sich die Frage gefallen lassen, warum er die Mitarbeiter eigentlich nicht grüßt, wenn er sich denn mal blicken lasse. Der ehemalige Chefentwickler Klaus Kern wurde nach 23 Jahren bei Märklin einfach in ein Taxi gesetzt mit der Anweisung, das Gelände nicht mehr zu betreten.

Fachhändler und Geschäftspartner: Geschäftspartner aus der Branche machen sich über die Ahnungslosigkeit des Märklin-Chefs lustig, Fachhändler werfen Dietz vor, er wisse nicht, ob bei einer Lok die Räder oben oder unten angebracht sind.

Die Kunden: „Märklinisten“ sind markentreu und leidenfähig. Der Bogen ist allerdings überspannt, manche Produkte entsprechen weder dem Anspruch noch dem Preis. Als Beispiele seien die missratene BR39 in der Spur Z oder die blaue 03er in H0 angeführt. Manche Produkte werden gar nicht geliefert, als Beispiel sei der Booster 60172 für das mfx-System genannt, der erstmals im Gesamtprogramm 2005 angekündigt wurde. Trotz der Wichtigkeit der Komponente für das mfx-Digitalsystem ist für das Gerät bis heute kein verbindlicher Liefertermin genannt, die Kunden tauften das Gerät wegen der Wartezeit „Godot-Booster“.

Auch die Märklin-Eigentümer und Finanzinvestoren Kingsbridge Capital und Goldman Sachs sind unzufrieden, denn für 2008 sollte eigentlich ein Gewinn eingefahren werden. Nun heißt es, das Unternehmen müsse „die Kosten weiter straffen“, von 5 Millionen jährlich ist die Rede. Goldman Sachs wünschen daher eher einen Sanierer an die Märklin-Spitze, um Märklin auf erfolgreichere Wege zu führen, sucht man hingegen bei Kingsbridge eher einen Manager aus der Spielzeugindustrie als einen reinen Kostendrücker. Da bahnt sich in jedem Fall einiger Konfliktstoff an.

Wie es heißt, gibt Dietz sein Märklin-Anteilspaket von 3 Prozent zurück, soll dabei aber kein Geld verdienen, auch eine Abfindung soll Dietz nicht bekommen. Angesichts der drohenden Lohnkürzungen, von 10 Prozent ist die Rede, und dem Entfallen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Belegschaft nur ein geringer Trost.