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Mittwoch 07. Mai 2014
Eisenbahnmuseum Bochum: Züge als Zeugen der (deutschen) Geschichte

Als am 14. Juli 2011 die Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum von der Stadt Bochum und der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte aus der Taufe gehoben wurde, galt das ehemalige Bahnbetriebswerk mit seiner einmaligen Fahrzeugsammlung als Rohdiamant. Nun ist mit einer neuen Ausstellung rund um einen historisch besonders bedeutsamen Salonwagen die erste Facette fertig geschliffen worden. Ab dem 18. Mai wird der Salonwagen der Öffentlichkeit präsentiert.

Dieser Salonwagen könnte Geschichte(n) erzählen: Mit ihm fuhren unter anderem General Eisenhower, Konrad Adenauer, mehrere Bundespräsidenten, Queen Elizabeth II., der Schah von Persien und Willy Brandt

Dieser Salonwagen könnte Geschichte(n) erzählen: Mit ihm fuhren unter anderem General Eisenhower, Konrad Adenauer, mehrere Bundespräsidenten, Queen Elizabeth II., der Schah von Persien und Willy Brandt

Die Eisenbahn war die wichtigste Verkehrstechnik des 19. und 20. Jahrhunderts und sie verband Menschen über Länder und Kontinente hinweg. Sie war eine der wesentlichen Zugkräfte für die Industrielle Revolution, den modernen Kapitalismus und trug maßgebliche zur Globalisierung bei. Der Massentourismus wurde durch sie ebenso ermöglicht wie das Wachstum der Großstädte. Sie war von überragender Bedeutung in den großen Kriegen, die Europa im 20. Jahrhundert erschütterten. Ob zum Guten oder zum Schlechten, diese Technik beeinflusste seit ihrer Erfindung, direkt oder indirekt, nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Mit einer chronologischen Aufzählung historischer Fahrzeugtypen oder dem Erhalt einzelner Fahrzeuge allein, wird man allerdings der wahren Bedeutung der Eisenbahn niemals gerecht werden können.

Deshalb wurde in den vergangenen Jahren im Eisenbahnmuseum Bochum, unter Mitarbeit des international bekannten Museumsgestalters HG Merz, ein neues museales Konzept ausgearbeitet, damit die Geschichte der Eisenbahn zukünftig in ihrer ganzen Komplexität und Bedeutung anschaulich erfasst werden kann.  Mit einem ersten Projekt, das nun der Öffentlichkeit präsentiert wird, möchten der Vorstand, das Kuratorium und die ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen, über welches Potential das Museum verfügt und wie es in der Zukunft in Gänze aussehen könnte.

Das erste greifbare Ergebnis dieser Neuausrichtung ist eine Ausstellung, die verschiedene Ereignisse deutscher Geschichte von 1937 bis 1970 anhand eines einzelnen Salonwagens nacherzählt. In einem bisher einmaligen Konzept wurde das Fahrzeug in den vergangenen Monaten im Bochumer Museum restauriert und zeitgleich in den Zustand zweier Geschichtsepochen versetzt, um die wechselhafte Geschichte des Fahrzeugs wie auch Deutschlands zu verdeutlichen. Der Salonwagen selbst hat einen bemerkenswerten „Lebensweg“ zurückgelegt und war damit für die angestrebte Neugestaltung geradezu prädestiniert.

Kaum ein deutsches Eisenbahnfahrzeug hat mehr historisch bedeutende Politiker, Staatsmänner und -frauen erlebt wie dieser Salonwagen. Gebaut wurde er 1937 und war zunächst im Regierungszug des Dritten Reichs eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten amerikanische Generäle u.a. diesen Wagen, um durch das besetzte Land zu reisen. Als im sich anbahnenden Ost-Westkonflikt aus Gegnern Partner wurden, da wurde dieser Salonwagen an die junge Bundesrepublik Deutschland übergeben. Insgesamt in relativ gutem Zustand erhalten, wurde der luxuriöse Salonwagen etwas umgebaut und anschließend von der Bundesregierung oder vom Bundespräsidialamt für Wahlkampftouren, Sonderfahrten und Staatsbesuche genutzt. So fuhren u.a. General Eisenhower, Konrad Adenauer, mehrere Bundespräsidenten, Queen Elizabeth II., der Schah von Persien und Willy Brandt mit diesem Zeugen der Geschichte mit.

Ab Sonntag, dem 18. Mai 2014, kann der Salonwagen und die begleitende Ausstellung von allen Besuchern des Eisenbahnmuseums während der regulären Öffnungszeiten besichtigt werden. 

Von: Pressemeldung Eisenbahnmuseum Bochum