11 Beweise: Modelleisenbahner sind verrückt

Gleisplan-Chaos

Mitbürger ohne Modellbahn-Affinität wundern sich oft, warum gestandene Männer viel Zeit und Geld investieren, um kleine Bahnen fahren zu lassen. Kein Wunder also, dass Modelleisenbahner unter Normalmenschen oft als ein bisschen schrullig und verschroben angesehen werden.

Immerhin gibt es aber allein in Deutschland rund 1 Million Modellbahn-Fans, und jeder ehrliche Modellbahner weiß: Man muss nicht verrückt sein, um Modellbahner zu sein, aber es hilft. Wenn also schon die meisten Modellbahner zugeben, dass man für dieses Hobby ein bisschen verrückt sein sollte, dann schauen wir uns doch einmal ein paar Punkte an, die als Beweise taugen:

 

 

1. Nietenzähler

Eine Vielzahl von Modellbahnern sind Nietenzähler. Das meint, dass sie auf dem Modell die Nachbildungen der Nietenköpfe zählen, die genauso groß wie beim Vorbild sein muss. Durch diese verrückten Anforderungen an die Vorbildnähe steigen der Aufwand und damit der Preis für ein neues Modell extrem an.

2. Sounddecoder

Bei hochwertigen Eisenbahn-Modellen sind Sounddecoder zum Standard geworden oder lassen sich einfach nachrüsten. Es zischt, piept, hupt und trötet also, begleitet von den Betriebsgeräuschen des Antriebs, Dampfloks schnaufen, Dieselfahrzeuge brummen und Elektroloks summen. Hinzu kommen immer häufiger auch noch Sprachansagen. Was bei einer Lok noch nachvollziehbar ist, wird beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Loks ein akustisch völlig verrücktes Durcheinander, es lässt sich kaum noch unterscheiden, welches Fahrzeug nun welches Geräusch zu welcher Betriebssituation macht.

3. Berge

Das verrückteste Gestaltungselement auf kleinen und mittleren Modellbahnanlagen sind Berge. Achten Sie mal darauf: Da steht am hinteren Rand einer Anlage ein Berg, und die Bahn muss mitten hindurch fahren. Das würde kein Eisenbahningenieur der Welt so bauen, der würde die Strecke um den Berg herumführen. Aber die verrückten Modellbahner müssen mit ihren Zügen immer mitten durch den Berg hindurch.

4. Lange Züge

Viele Züge sind im Original lang, sehr lang sogar. Ein ICE Hochgeschwindigkeitszug ist rund 200 Meter lang, werden zwei Einheiten gekoppelt, kann er noch viel länger sein. Im führenden Modellbahn-Maßstab H0 (1:87) müsste also ein passendes Bahnhofsgleis ca. 1,74 Meter lang sein. Doch so lange Bahnsteige eines Großstadt-Bahnhofs sieht man auf kleinen und mittleren Anlagen so gut wie nie, so etwas sehen Sie nur auf großen Schauanlagen wie dem Miniatur Wunderland Hamburg. Doch die verrückten Modellbahner verzichten nur sehr ungerne auf maßstäblich lange Züge, auch wenn gar kein passender Bahnsteig auf der Anlage vorhanden ist.

5. Vitrinenbahner

Modellbahner ticken alle sehr unterschiedlich und interpretieren ihr Hobby sehr uneinheitlich. Die Spielbahner legen Wert auf das „Eisenbahnspielen“, weniger auf die perfekten Modelle. Und die Betriebsbahner richten sich so gut es geht nach dem Vorbildbetrieb aus. Daneben gibt es auch die Vitrinenbahner. Die fahren natürlich nicht mit einem Zug in der Vitrine, sondern die Modelle stehen nur in Form einer Sammlung in den Vitrinen herum, obgleich sie voll betriebsfähig wären. Ja, manch ein Vitrinenbahner hat nur einen Rollenprüfstand, und gar keine Gleise, auf denen die teuren Züge mal eine Ausfahrt machen könnten. Verrückt, oder?

6. Altern

Würden Sie sich ein neues Auto kaufen und es dann mit Farbe so verunstalten, dass es alt und rostig aussieht? Nun, Modellbahner machen das dauernd und nennen das „altern“, äußerliche Verbesserungen werden ganz allgemein als „supern“ bezeichnet. Wenn ein Modell neu ist, aber die Vorbildmaschine im Betrieb sehr alt ist, dann wird mit Airbrush oder anderen Farben für ein „altes Aussehen“ des Modells gesorgt, die Ergebnisse sind allerdings oft alles andere als super. Und das besonders verrückte daran ist, dass ein solchermaßen behandeltes Modell drastisch an Wert verliert, wenn es mal verkauft werden soll. Denn für den besten Verkaufspreis muss das Modell tatsächlich „wie neu“ aussehen.

7. Modellbahn-Zeit

Sie glauben, Modellbahnen fahren einfach nur so irgendwann im Kreis herum? Weit gefehlt! Manche Modellbahner haben sich zum Ziel gesetzt, den Betriebsablauf einer Vorbild-Bahngesellschaft genau nachzuahmen. Dazu wird ein Fahrplan erarbeitet. Die Modellbahn-Fahrdienstleiter sprechen sich dann über eine Telefonverbindung ab, über welchen freigegebenen Streckenblock genau zur richtigen Zeit ein Zug fahren darf. Das tun sie auch dann, wenn sie nur 5 Meter voneinander entfernt sitzen. Da bei einem solchen Betrieb in Realzeit auf einer Anlage nur vergleichsweise selten Züge verkehren würden, gibt es tatsächlich hierfür eine beschleunigte Modellbahn-Zeit. Dass die verrückten Modellbahner dann auch noch eine vorbildnahe Verspätung der Züge in den Betrieb integrieren, oder um vier Uhr aufstehen, um auf der Modelleisenbahn den Arbeiterfrühzug abzufertigen, ist allerdings nur ein Szene-Gerücht.

8. Nützliches entdecken

Haben Sie schon einmal einen Mann fortgeschrittenen Alters dabei beobachtet, wie er einen kleinen, völlig banalen Alltagsgegenstand in Händen hält und einer sehr intensiven Inspektion von allen Seiten unterzieht? Wahrscheinlich ist es einer dieser verrückten Modellbahner, denn typischerweise untersuchen sie alles daraufhin, ob es für die Zwecke der Modellbahn brauchbar ist. Ob Verkaufsverpackungen, Holzstäbchen von Silvester-Raketen, benutzte Plastikhalme, Reste der letzten Wohnungsrenovierung, Teile aus einem defekten mechanischen Wecker oder ein Elektromotor aus einem defekten Video-Rekorder – alles könnte möglicherweise für die Modellbahn nützlich sein – und sei es nur als Ladegut auf Güterwagen.

9. Modellbahn-Sakrileg

Wenn „ernsthafte“ Modellbahner etwas verachten, dann sind es Darstellungen, die nicht dem Vorbild entsprechen. Ausgenommen sind natürlich Kinder-Eisenbahnen und Spielbahnen, aber ansonsten sollte die Darstellung in sich stimmig sein, das kann ja auch mit einem Phantasie-Eisenbahnszenario erfüllt werden. Wenn Sie es sich ganz schnell mit einem verrückten Modellbahner verderben möchten, hängen Sie eine Schnellzuglok wie beispielsweise eine E-Lok der Baureihe 101 oder 103 bzw. 03 vor einen Güterzug. Sowas gilt als Sakrileg, möglicherweise werden Sie zu den nächsten Abenden im Modellbahn-Club nicht mehr eingeladen …

10. Baumaßnahmen

Ein weiterer Beleg: Modellbahner neigen zu verrückten Baumaßnahmen, damit die Modellbahn-Züge möglichst viel Fahrstrecke bekommen. Ein Modellbahner hat seinen Vorgarten (!) unterkellert, damit dort die Modellbahn fahren kann. Da bleibt auch der Sockel eines Hauses nicht immer verschont, damit die Gartenbahn in den Keller fahren kann. Mauerdurchbrüche im Haus, damit die Modellbahn durch mehrere Zimmer fahren kann, sind unter verrückten Modellbahnern fast schon normal.

11. Objekt-Fetischismus

Die Beziehungen zu einer Modellbahn können mannigfaltige Formen annehmen. Und so gibt es unter Modellbahnern auch Objekt-Fetischisten, bei denen die Modelleisenbahn so etwas wie ein Ersatzpartner ist. Dieser Film auf Youtube zeigt, wohin die Objektliebe einen verrückten Modelleisenbahner treiben kann. Das ist aber noch nicht alles: Manch einer scheint es sogar besonders erregend zu finden, wenn eine Modellbahn durch Frauenfüße zerstört wird. Dieses Youtube-Zug-Fetisch-Video zeigt einen erschütternden Fall aus Japan (Vorsicht, der Film ist nichts für schwache Nerven).

Am Ende möchte ich eines klarstellen: Ich bin selbst begeisterter Modellbahner, und wahrscheinlich bin ich genauso ein bisschen verrückt wie im Text beschrieben. Aber ich glaube nicht, dass ich übertrieben verrückt bin, denn das hätten die Stimmen im meinem Kopf mir ja gesagt. Also alles nicht so schlimm. Jetzt gerade kommt mein Therapeut und ich muss nach dem nachmittäglichen Spaziergang wieder zurück in die geschlossene Abteilung.

(Rudolf Ring)

 

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