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Donnerstag 22. Januar 2026
Zugsalbe
Zugsalbe ist eine traditionelle, rezeptfreie Salbe zur Behandlung entzündlicher, eitriger Hautveränderungen.
Zugsalbe (auch Ziehsalbe) gehört zu den dermatologischen Salben, die bei lokal begrenzten, meist bakteriell bedingten Entzündungen der Haut eingesetzt werden. Klassisch dient sie dazu, Eiterherde „reifen“ zu lassen, Schmerzen zu lindern und den Abfluss von Eiter oder Talg an die Oberfläche zu erleichtern.
Medizinisch wird Zugsalbe vor allem bei oberflächlichen, klar umschriebenen Infektionen der Hautanhangsgebilde (z.B. Haarfollikel) eingesetzt. Für schwere oder tief sitzende Infektionen sowie moderne Behandlungsstandards (z.B. bei Analabszessen) gilt ihr Einsatz hingegen als veraltet.
Inhaltsstoffe und Wirkprinzip
Am häufigsten enthalten handelsübliche Zugsalben den Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat (Ichthyol), ein sulfoniertes Schieferöl in Konzentrationen von etwa 10, 20 oder 50%. Dieser Wirkstoff wirkt schwach antibakteriell, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, juckreizlindernd und leicht hornhautlösend. Durch die Durchblutungssteigerung und Erweichung der obersten Hautschichten soll der Abfluss von Eiter und Entzündungssekret Richtung Oberfläche erleichtert werden.
Daneben gibt es Zugsalben auf pflanzlicher Basis, etwa mit Terpentin- oder Eukalyptusöl, die ebenfalls durchblutungsfördernd und reizend wirken und so Entzündungsherde zur Reifung bringen sollen. In vielen Fertigpräparaten kommen weitere Hilfsstoffe wie Vaseline, Wollwachs, Antioxidantien (z.B. Butylhydroxytoluol) und Emulgatoren hinzu, die die Salbenkonsistenz stabilisieren, aber ihrerseits auch Kontaktallergien oder Reizungen auslösen können.
Wichtig ist, dass die wissenschaftliche Beweislage zur Wirksamkeit begrenzt ist: Es existieren kleinere Untersuchungen und Erfahrungsberichte, jedoch keine großen, qualitativ hochwertigen klinischen Studien, sodass der Nutzen insbesondere bei tieferen Haut- und Weichteilinfektionen kritisch bewertet wird.
Typische Anwendungsgebiete
Zugsalben werden traditionell bei einer Reihe lokaler, eitriger oder entzündlicher Hautprozesse eingesetzt. Dazu zählen insbesondere:
- Furunkel: Eitrige Entzündung eines Haarbalgs, die tief in der Haut liegt und meist durch Staphylokokken verursacht wird.
- Oberflächliche Abszesse und kleinere Wundeiterungen, zum Beispiel „Eiterbläschen“ oder „Bibeli“ von wenigen Millimetern bis zu etwa 0,5 cm Durchmesser.
- Follikulitis: Eitergefüllte Taschen an Haarfollikeln mit begrenzter Ausdehnung.
- Kleinere, lokal begrenzte Entzündungen, bei denen ein Fremdkörper (Splitter, Stachel) oder ein Talgpfropf in oberflächlichen Hautschichten festsitzt, sodass die erweichende Wirkung der Salbe den Austritt erleichtern kann.
Bei diesen Indikationen kann die Salbe helfen, Schmerzen zu lindern, die Reifung des Eiterherdes zu beschleunigen und den Spontandurchbruch an die Oberfläche zu fördern. Dennoch sollte bei starken Schmerzen, Fieber, großflächigen Rötungen, schnell zunehmenden Schwellungen oder Allgemeinsymptomen immer ärztlich abgeklärt werden, ob eine systemische Therapie (z.B. Antibiotika, chirurgische Eröffnung) nötig ist.
Anwendung und praktische Hinweise
Die konkrete Anwendung hängt vom Präparat und der Konzentration (z.B. 10%, 20%, 50%) ab, orientiert sich aber an einigen Grundprinzipien.
Allgemeine Schritte:
- Die betroffene Hautstelle zunächst reinigen, bei Bedarf vorsichtig desinfizieren und trocknen lassen.
- Zugsalbe ein- bis mehrmals täglich (oft zwei- bis dreimal) in etwa 1–2 mm „messerrückendick“ auf die entzündete Stelle auftragen.
- Um Kleidung zu schützen und die Wirkung zu unterstützen, wird die Salbe meist auf eine sterile Gaze gestrichen, die man anschließend auflegt, mit Watte abpolstert und mit Pflaster oder Binde fixiert.
- Der Verband wird je nach Präparat und Entzündung in Abständen von ungefähr 12 Stunden erneuert; Salbenreste lassen sich mit Wasser und Seife abwaschen.
Bei schwächer konzentrierten Präparaten (z.B. 10%) ist die Reizwirkung meist geringer, sodass sie eher für empfindlichere Hautbereiche oder bei Kindern verwendet werden. Höhere Konzentrationen (z.B. 50%) wirken stärker, führen aber auch häufiger zu lokalen Reizungen und sollten daher mit Vorsicht und nicht zu großflächig eingesetzt werden.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel auf wenige Tage begrenzt: Bleibt eine Besserung aus, verschlimmert sich der Befund oder kommen Allgemeinsymptome hinzu, ist eine ärztliche Kontrolle erforderlich. Eine längerfristige, „vorsorgliche“ Anwendung ohne klare Diagnose ist nicht sinnvoll, da sie Infektionen verschleiern oder verzögern kann.
Kontraindikationen, Risiken und Vorsicht
Zugsalbe ist trotz rezeptfreier Verfügbarkeit kein harmloses Hautpflegemittel, sondern ein Arzneimittel mit spezifischen Kontraindikationen und möglichen Nebenwirkungen.
Wichtige Kontraindikationen:
- Bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber Ammoniumbituminosulfonat, anderen aufbereiteten Schieferölen (Ichthammol, Ichthyol, Tiroler Steinöl) oder einem der Hilfsstoffe.
- Kontakt mit Augen, Schleimhäuten und größeren offenen Wunden sollte strikt vermieden werden, da es zu starken Reizungen und Schädigungen kommen kann.
- Anwendung bei tiefen Weichteilinfektionen, Analabszessen oder venösen Beingeschwüren (Ulcus cruris venosum) gilt als veraltet und entspricht nicht mehr dem Stand der modernen Medizin.
Besondere Vorsicht ist geboten:
- Bei Diabetes mellitus, da hier Wundheilungsstörungen auftreten können und Infektionen schneller fortschreiten; Zugsalbe sollte dann nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
- Bei Kindern und Schwangeren, bei denen Dosierung und Indikation sorgfältig abgewogen werden müssen, eine eigenmächtige Anwendung ohne ärztlichen Rat wird nicht empfohlen.
Mögliche Nebenwirkungen:
- Häufig sind lokale Hautreaktionen wie Rötung, Brennen, Juckreiz und Reizung, insbesondere bei höher konzentrierten Präparaten; leichte Irritationen werden teils als „normal“ angesehen, können aber unangenehm sein.
- Selten treten Kontaktallergien auf, die mit starkem Juckreiz, Bläschenbildung oder Ekzemen einhergehen; in diesem Fall muss die Behandlung sofort abgebrochen und ärztlich besprochen werden.
- Bestimmte Hilfsstoffe wie Butylhydroxytoluol können zusätzlich Kontaktdermatitis sowie Reizungen an Augen und Schleimhäuten auslösen.
Wegen dieser Einschränkungen sollte Zugsalbe gezielt und zeitlich begrenzt bei klarer Indikation eingesetzt werden, nicht aber großflächig, prophylaktisch oder über längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle.
Stellenwert heute und praktische Einordnung
Im Vergleich zu früher hat Zugsalbe heute einen eher begrenzten Stellenwert in der Dermatologie und Chirurgie. Bei kleinen, lokalisierten Furunkeln oder oberflächlichen Eiterungen kann sie als unterstützende Maßnahme zur Linderung von Beschwerden und Förderung des spontanen Abflusses sinnvoll sein, solange der Allgemeinzustand gut ist.
Moderne Leitlinien betonen jedoch, dass bei ausgeprägten oder tiefen Infektionen eine gezielte Diagnostik und Therapie (z.B. sterile Inzision, Drainage, Antibiotika) erforderlich ist, für die eine Salbe allein nicht ausreicht. Wichtig ist deshalb, Zugsalbe nicht als Ersatz für eine notwendige ärztliche Behandlung zu betrachten, sondern als begrenzte, kurzzeitige Option bei leichten, klar definierten Hautinfektionen.
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Von: Rudolf Ring / Redaktion
