Samstag 21. Januar 2023
Objektophilie Objektsexualität

Unbestritten hat das Hobby Modellbahn eine erhebliche emotionale Komponente. Zudem ist es gar nicht mal so selten, dass Menschen sich in einen Gegenstand verlieben. Was wissen wir darüber aus der Welt der Eisenbahn- und Modellbahn-Enthusiasten und -Fetischisten?

Großdiesellok V200

Modell Großdiesellok V200 von Erich Westendarp auf Pixabay

Begriffsklärung Objektophilie bzw. Objektsexualität

Objektophilie ist eine Form der sexuellen Anziehung oder des Fetischismus, bei der sich eine Person zu unbelebten Objekten wie Gebäuden, Statuen, Brücken oder Haushaltsgeräten hingezogen fühlt.

Diese Art der Anziehung ist relativ selten und wird nicht allgemein als legitime sexuelle Orientierung anerkannt. Sie wird oft als eine Art von Paraphilie betrachtet, die durch atypische sexuelle Interessen gekennzeichnet ist.

Objektsexualität wird als eine Form der Sexualität beschrieben, bei der Menschen emotionale und/oder sexuelle Anziehung zu Objekten oder Gegenständen empfinden. Dies kann sich auf alles von Autos und Gebäuden bis hin zu Werkzeugen und Kleidungsstücken erstrecken.

Es ist wichtig zu beachten, dass Objektsexualität zwar selbst strafrechtlich nicht relevant ist, es aber begleitend zu keinen strafrechtlich relevanten Vorfällen wie Hausfriedensbruch, Erregung öffentlichen Ärgernisses oder Sachbeschädigung kommen darf. Im psychologischen Mainstream wird Objektophilie als abnormale Sexualität betrachtet, weil die allermeisten Menschen ihre Sexualität auf Interaktionen mit anderen Menschen ausrichten.

Aber zugegeben: Ein H0-Modell beispielsweise einer Großdiesellok vom Typ V200 sieht mit ein bisschen Phantasie irgendwie ein Dildo auf Drehgestellen aus. Eine erotische Assoziation stand auch für den Jargonnamen der Vorserien-Diesellok V160 Pate, die als "Lollo" bezeichnet wird - eine Abkürzung für die italienische Schauspielerin Gina Lollobridiga und ihren körperlich kurvenreichen Vortrag.

Bekannte Fälle von Objektophilie

Kuriose Beziehungen zu Objekten sind inzwischen häufig medial beachtet und publiziert worden. Bekannt geworden im Zusammenhang mit Bahn und Modellbahn sind unter anderem diese Fälle:

 

Objektophilie bei Eisenbahn und Modelleisenbahn

Der in diesem Zusammenhang anzutreffende Begriff der „Objektophilie“ wird alternativ auch als Beschreibung einer pathologischen Sucht verwendet, bestimmte Dinge geradezu zwanghaft zu sammeln. Das ist tatsächlich bei dem einen oder anderen Modelleisenbahner diagnostizierbar.

In der Szene ist daher der Begriff des "Pufferküssers" geläufig. Damit werden mehr oder weniger fanatische Fans von Eisenbahnen beschrieben. Pufferküsser ist eine scherzhaft-ironisch gemeinte Bezeichnung für Leute (praktisch nur Männer), die sich übertrieben intensiv mit dem Thema Eisenbahn oder Modellbahn beschäftigen. Pufferküsser kann ein Aktivist einer Museumseisenbahn, ein Eisenbahnfotograf oder auch ein Modelleisenbahner sein.

Auf die Modelleisenbahn bezogen ist der Begriff des "Nietenzählers" bekannt, der ein Modell mit dem exakten Aussehen des Vorbildes haben möchte - koste es, was es wolle. Nietenzählern unter den Modellbahn-Fans wird vorgeworfen, erheblich für die drastischen Preissteigerungen der Modelle mitverantwortlich zu sein, weil der Aufwand bei der Produktion der Modelle durch diese "Kleinigkeiten" exorbitant steigt, beispielsweise durch zusätzliche Handarbeit.

Objektophilie und Objektsexualität in der Wissenschaft

Die Wissenschaft tut sich bislang erstaunlich schwer mit diesbezüglicher Forschung. Der bekannte Frankfurter Sexualforscher Prof. Volkmar Sigusch widmet sich in seinem Buch «Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion» dem zunehmend auftretenden Phänomen der Objektophilie.

Gründe für diese Neigung sieht der Forscher in der fortschreitenden Vermenschlichung von Gegenständen. So wird beispielsweise in der Werbung häufig Gegenständen eine emotionale Komponente hinzugefügt, wie es aus der Werbung für Autos, Zigaretten und Alkoholika besonders bekannt ist.

Fazit: Zwischen pathologischem Suchtverhalten und einem extremen Ausleben der individuellen Hobbygestaltung sind die Grenzen fließend. Wie sagt man so schön hier im Rheinland - "Jedem Tierchen sein Pläsierchen".

 

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Von: Rudolf Ring
 
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