Mittwoch 17. September 2014
Henschel-Wegmann-Zug

Modellbahn-Lexikon: Das Märklin-Modell des Henschel-Wegmann-Zugs besteht aus einer Schnellfahrlokomotive BR61 und vier Schnellzugwagen

Das Vorbild des Märklin-H0-Modells des Henschel-Wegmann-Zugs raste zwischen 1936 und 1939 in 95 Minuten von Dresden nach Berlin (Foto: Märklin)

Das Vorbild des Märklin-H0-Modells des Henschel-Wegmann-Zugs raste zwischen 1936 und 1939 in 95 Minuten von Dresden nach Berlin (Foto: Märklin)

Im Wettstreit zwischen Fahrzeugen zählen vor allem Schnelligkeit und Eleganz: Das hatte die Deutsche Reichsbahn (DR) in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannt, nicht anders wertet Märklin heute. Die beeindruckende Resultat: der Henschel-Wegmann-Zug. Zwischen 1936 und 1939 raste dieser besondere Zug in 95 Minuten von Dresden nach Berlin. Ab 2005 gleitet die Legende auch über H0-Anlagen. Denn der Göppinger Modellbahnhersteller stellt zur Nürnberger Spielwarenmesse die faszinierende Zugpackung „Henschel-Wegmann“ vor (Artikel-Nr. 26610).

C-Sinus in neuer, kompakter Bauform

Fünf Elemente – fünf Mal Perfektion: So lässt sich die neue Zugpackung von Märklin bestehend aus einer Tenderlokomotive und vier Schnellzugwagen beschreiben. Geht man ins Detail, offenbart sich tatsächlich Modellbahntechnologie vom Feinsten. Allein der Motor. Die Schnellfahrlok der Baureihe 61 ist mit einem neuen Hochleistungsantrieb ausgestattet. Zwar wird der C-Sinus-Motor bereits seit ein paar Jahren von Märklin in ausgewählte H0-Lokomotiven eingebaut. Doch in der neuen, kompakten Bauform kommt der C-Sinus erstmals im Jahr 2005 zum Einsatz.

Überzeugend sind aber nicht nur die neuen Maße des C-Sinus, sondern auch der Wirkungsgrad, der niedrige Stromverbrauch, das hohe Drehmoment, das weiche Laufverhalten bei Tempo sowie die Eigenschaften bei langsamer Fahrt. Digital-Decoder mfx und Geräuschgenerator komplettieren die High-Tech-Ausstattung dieser herrlichen Lok. Apropos Ton: Digital schaltbar und damit hörbar sind Dampflokfahr-Geräusch, Pfeifsignal, Kohle schaufeln, Luftpumpe, Bremsen, Injektor, Dampf ablassen und das Geräusch des Schieberkastens.

Was Innen fasziniert, setzt sich Außen fort: Die geschlossene Stromlinienverkleidung des Vorbilds spiegelt sich wunderbar im Modell wider. Detailgetreu präsentiert sich die Lok vorbildentsprechend ohne jede Aussparung oder bewegliche Blenden. Beim Blick unter die schnelle Dampflok zeigt sich zudem ein Spezialfahrwerk, das kurvengängig ist und dessen Kuppelachsen gesteuert werden.

Essen, genießen, nahezu fliegen

Die Wagenmodelle des Henschel-Wegmann-Zugs entsprechen dem Vorbild ebenso perfekt, wie die H0-Lok. Zur Packung von Märklin gehören ein Endwagen mit Aussichtsraum der 2. und 3. Klasse, zwei Mittelwagen mit Abteilen der 2. und 3. Klasse sowie ein Endwagen mit Gepäckraum, Speiseraum und Küche. Alles fein nachgebildet, das versteht sich bei Märklin. Hinzu kommt: Die Schnellzugwagen sind mit Seitenschürzen versehen und besitzen geführte Drehgestellabdeckungen für kleine Gleisbogen. Problemlos fährt die insgesamt 122 Zentimeter lange Schönheit übrigens ab dem normalen 36 Zentimeter Bogenradius.

Der Konkurrenz geantwortet

Immer mehr Autos auf den Straßen, dazu moderne, schnelle Triebwagen wie der SVT 137 auf den Schienen: Für die deutschen Dampflokhersteller  waren die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts alles andere als leicht. Die Konkurrenz fuhr sprichwörtlich davon. Eine Antwort wurde zum 100jährigen Jubiläum der deutschen Eisenbahn vom 13. Juli bis 13. Oktober in den neuen Güterhallen an der Allersberger Straße in Nürnberg gegeben. Auf der Ausstellung, auf der die Reichsbahn modernste Technik präsentierte, begeisterte insbesondere ein Zug: Vorneweg stand eine Tenderlok der Baureihe 61  001, die von der Kasseler Firma Henschel gebaut worden war. Hinten dran hingen vier Wagen, die aus dem Kasseler Wegmann-Werk kamen.

In drei Minuten auf 100 km/h

Äußerst elegant, stromlinienförmig verkleidet, nahezu in den Farben der Schnelltriebwagen der WUMAG Görlitz gehalten, die Kampfansage war deutlich. Und sie wurde bewiesen: Ab Dezember 1936 raste der Henschel-Wegmann-Zug zweimal täglich von Dresden-Neustadt ohne Zwischenstopp die 176 Kilometer lange Strecke zum Anhalter-Bahnhof Berlin in gerade 95 Minuten. In nur drei Minuten beschleunigte das kräftige Dampfross auf 100 Kilometer, in sechs Minuten waren 160 Kilometer erreicht, bei 175 km/h lag die Höchstgeschwindigkeit. Das Besondere an der Maschine: Sie fuhr vorwärts genauso schnell wie rückwärts und musste daher nicht gedreht werden, wenn sie in die andere Richtung dampfte. Ein Problem zeigte sich allerdings. Da ab 160 km/h die Laufeigenschaften der Zweizylinder-Triebwerke der 61  001 extrem unruhig waren, erhielt die 1939 gebaute Schwesterlokomotive mit der Seriennummer 61 002 ein Dreizylinder-Triebwerk. 

Als dann der Schnellzug-Verkehr 1939 eingestellt wurde, kamen die beiden Loks nur noch im untergeordneten Dienst unter anderem auf der Strecke Dresden nach Bad Schwartau zum Einsatz. In Braunschweig wurde schließlich 1952 die eine Schnellzuglok bei der Deutschen Bundesbahn zerlegt. Die 61 002 hingegen wurde 1961 in der DDR grundlegend umgebaut. Ihre Aufgabe: Wagen für Geschwindigkeiten von 160 km/h prüfen.

Die so entstandene BR 18 201 mit einer zulässigen Höchst-geschwindigkeit von 175 km/h gilt heute als „schnellste betriebsfähige Dampflok der Welt“. Noch immer begeistern die gigantischen Ausmaße der weltweit einmaligen und mittlerweile rubinroten Lok: 2,30 Meter messen die Treibräder im Durchmesser, 172 Tonnen beträgt das Dienstgewicht. Und mit über 25 Metern Länge ist sie eine der Größten ihrer Art in Deutschland. Wer das Märklin-Modell auf seiner H0-Anlage fahren lässt, dürfte also den Wettstreit – ganz gleich welchen – wohl für sich entscheiden.

Hinweis: Das Märklin-Modell wurde 2005 in einer einmaligen Serie nur für Mitglieder des Märklin Insider-Clubs gefertigt. Für Zweileiter-Gleichstromsysteme bot Trix die Zugpackung an.

Literaturempfehlungen 

 

(Textquelle: Märklin-Pressemeldung 2005)

Von: Pressemeldung Märklin
 
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