Samstag 27. April 2019
Fahrzeugkollisionen

Bei Fahrzeugkollisionen wird unterschieden zwischen Gegenfahrten, Folgefahrten und Flankenfahrt

Auf einer Modellbahn-Anlage passieren erfahrungsgemäß viel häufiger Unfälle mit den Fahrzeugen, als es im realen Vorbildbetrieb der Fall ist. Zum Glück, möchte man sagen. Doch auch, wenn auf professionellen Anlagen wie dem Miniatur Wunderland Hamburg ein erstaunlich stabiler und zuverlässiger Betrieb realisiert ist – immerhin auf Spielzeug basierend! – so kommen doch Fahrzeugkollisionen immer mal wieder vor.

Generell kann man sagen, dass bei jeder Fahrzeug-Kollision von der Grundregel abgewichen wurde, dass auf einem Streckenabschnitt auch nur ein Zug verkehren darf. Denn leider halten sich Modellbahn-Züge (durchaus vorbildnah) nicht immer an diese Regel, denn beispielsweise kann auf zweigleisigen Stecken ein Zug entgleisen und damit den Fahrweg eines Zugs auf dem Parallelgleis blockieren.

Die Sicherheits-Vorgabe, dass auf einem Streckenabschnitt nur ein Zug verkehren darf, kann jedoch in der Praxis des Modellbahn-Anlagebetriebs oft nur eingeschränkt realisiert werden. Dabei spielen unter anderem Platzgründe, die Unterteilung der Anlage in einzeln zu steuernde und zu überwachende Anlagenabschnitte und die Fähigkeiten der Anlagensteuerung (Steuerungssoftware, Digitalzentrale, Ausstattung mit Rückmeldern) eine Rolle.

Ein Sonderfall der Fahrzeugkollisionen sind zudem auch Rangierfahrten, bei denen Triebfahrzeuge und Waggons zu neuen Zügen zusammengestellt werden, denn in gewissem Sinne erzeugen Rangierfahrten ja „gewollte Kollisionen“. Um im Anlagenbetrieb den Typ einer Kollision genau zu beschreiben, haben sich die folgenden drei Typisierungen in Anlehnung an den Vorbildbetrieb in die Fachsprache und den Szenejargon eingebürgert:

  1. Flankenfahrt: Die Flankenfahrt ist in der Betriebspraxis die Kollision mit den größten Folgeschäden. Eine typische Flankenfahrt entsteht meist, indem eine Weiche falsch liegt oder einen Defekt hat. Dabei fährt dann ein Zug einem anderen in die Seite, es kann sich dabei um einen stehenden oder fahrenden Zug handeln, auch die Fahrtrichtung spielt bei der Benennung als Flankenfahrt keine Rolle. Im schlechtesten Fall fallen bei einer Flankenfahrt Fahrzeuge von einem Hochbau (Brücke, Überführung) oder gar von der Modellbahn-Anlage herunter auf den Boden, und werden dabei massiv beschädigt. Einen gewissen Schutz von Flankenfahren bietet es bei der digitalen Modellbahn, wenn eine echte Rückmeldung der Weichenlage realisiert ist.
  2. Folgefahrt: Weniger große Schäden als bei der Flankenfahrt sind bei der Folgefahrt die Regel. Die Folgefahrt beschreibt den Kollisionstyp, dass ein schnellerer Zug auf einen langsamer fahrenden in derselben Fahrtrichtung auffährt. Ist die Geschwindigkeitsdifferenz dabei gering, kommt es bei diesem ungewollten Schiebebetrieb meist zuerst zu einer Entgleisung eines Waggons des geschobenen Zuges, dabei muss es sich keineswegs um den letzten Waggon handeln. Bei einer rein analogen Anlagensteuerung und analog ausgestatteten Fahrzeugen, bei der die Triebfahrzeuge ja mit derselben Fahrspannung unterwegs sind, ist die Geschwindigkeitsdifferenz bei einer Folgefahrt meist eher gering, abhängig im Wesentlichen vom Fahrzeuggetriebe. Das bietet dem „Modellbahn-Fahrbetriebsleiter“ oft noch die Gelegenheit, vor einer Folgefahrt-Kollision einzugreifen. Die Geschwindigkeitsdifferenz kann bei digital gesteuerten Fahrzeug – ganz vorbildnah – deutlich größer sein, wenn beispielsweise ein ICE-Hochgeschwindigkeitszug in einer Folgefahrt auf einen Rangierzug trifft. Doch zum Glück haben praktisch alle Digitalsysteme einen Digitalbefehl „Not-Halt“, mit dem man sich also am besten frühzeitig vertraut macht.
  3. Gegenfahrt: Die folgenschwerste Kollision zweier Modellbahn-Züge ist die Gegenfahrt. Damit wird der frontale Zusammenstoß zweier Züge auf demselben Gleis bezeichnet. „Schlaue“ digitale Modellbahn-Steuerungen erkennen über die Rückmelder, wenn eine Gegenfahrt entstehen kann und blockieren beispielsweise solche Weichenlagen und geben eine Warnmeldung aus. Die Gegenfahrt als Kollisionstyp ist bei analogen Zweileiter-Gleichstrom-Modellbahnen „ab Werk“ kaum möglich, denn zwei Triebfahrzeuge mit derselben Polarität der angelegten Fahrspannung fahren halt in dieselbe Richtung. Bei klassischen Modellbahn-Anlagen mit einem „eingebauten Lokführer“ (Märklin-Wechselstrom-System) kann eine Gegenfahrt hingegen leicht entstehen, weil in jeder Lok über einen elektromechanischen Umschalter die Drehrichtung des Motors fahrzeugabhängig eingestellt wird.

 

 

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Von: Rudolf Ring
 
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