Test: PIKOs schwere Güterzug-Elok BR 150 H0

Das H0-Modell der BR 150 von PIKO
Das H0-Modell der BR 150 von PIKO
Das elektronische Innenleben der PIKO BR 150 zeigt sich aufgeräumt und gut zugänglich
Das elektronische Innenleben der PIKO BR 150 zeigt sich aufgeräumt und gut zugänglich

 

PIKOs Einheits-Schwergewicht in der Nenngröße H0 (1:87)

Mit der BR 150 hat PIKO der Expert-Serie ein weiteres, tolles Modell zugeführt. Wir geben Ihnen hier einen umfassenden Report zu unserem redaktionellen Test dieses Modells in der Nenngröße H0, was auch ein paar kurze Informationen zur Vorbildmaschine dieses interessanten Lokmodells einschließt.

Die Vorbildmaschine Baureihe 150

Schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg setzte die damals noch junge „Deutsche Bundesbahn“ auf die Elektrifizierung der Hauptstrecken. Anfangs konzentrierte sich dies noch auf den Süden der Republik, doch nach und nach erhielten auch die anderen Bundesländer mit Oberleitung versehene Hauptstrecken. Zu Beginn reichten die Loks noch aus die den Krieg überlebt hatten, doch schnell wurde klar, dass neue Lokomotiven benötigt werden. Um Produktionskosten zu sparen, sollten diese Loks möglichst viele gemeinsame Komponenten aufweisen. So wurden Loks für den Nah-, den Fernverkehr, sowie für den Güterzugbetrieb ausgeschrieben. Die Loks erhielten die Typenbeschreibungen E10, E40, E41 und E50. Wegen ihrer vielen gleichen Baugruppen wurden diese Lokomotiven auch als Einheitsloks bezeichnet.

Ab 1968 wurde dann die E50 zur BR 150 umbenannt. Die E50 / BR 150 war eine konsequente Fortentwicklung älterer Eloks und wurde benötigt, weil die ebenfalls für den Güterzugverkehr gedachte E40 / BR 140 für schwere Züge nicht stark genug war. Die E50/ BR 150 besitzt asymmetrisch angeordnete Achsen, 3 je Drehgestell, sowie sechs Fahrmotoren mit jeweils 750 kW/h-Leistung. Diese beschleunigen die Lok auf bis zum 100 km/h Höchstgeschwindigkeit. Bereits 1957 gelangten die ersten Loks zur „Deutschen Bundesbahn“. Produziert wurde die BR 150 bis zum Jahr 1973. 2003 begann man dann mit der Ausmusterung der ersten von insgesamt 194 gelieferten Loks. Leider sind nur wenige Fahrzeuge dieser großen Einheitslokomotive erhalten geblieben. Zwei davon stehen im DB-Museum in Koblenz-Lützel.

Der Test des Modells

1. Allgemeines

PIKO hat seine Lok wieder der Expert-Serie zugeordnet, doch inzwischen sind diese Modelle so fein detailliert, dass man kaum noch einen Unterschied zu der Classic-Serie von PIKO ausmachen kann. Das spiegelt sich aber auch im Preis wieder. Nicht nur durch die gestiegenen Produktionskosten in Asien, sondern auch auf Grund der deutlich besseren Qualität der Modelle, hat PIKO mit seiner Expert-Serie das Billigpreissegment inzwischen verlassen. Trotzdem und das muss man an dieser Stelle klar zum Ausdruck bringen, sind die Fahrzeuge aus dieser Serie immer noch sehr preiswert. Für das analoge Gleichstrommodell der BR 150 beläuft sich die UVP auf 162,99 €. In AC-Digital werden 182,99 € aufgerufen und die Modelle mit Sound kosten in DC 259,99 € und in AC 269,99 €.

Das Modell ruht in der bekannten Verpackung aus einem Karton mit Sichtfenster und darin in einem stabilen Blisterrahmen. Die Anleitungen und auch die Ersatzteilübersicht befinden sich in einer verschweißten Tüte. Ebenso liegen ein paar Bremsschlauchnachbildungen bei. Weiteres Zubehör ist nicht vorhanden, wird aber auch nicht benötigt, da die Lok bereits ab Werk vollständig ausgerüstet ist.

2. Die Optik

Das Modell mag von Anfang an gefallen. Die Farbgebung wurde perfekt getroffen. Die Bedruckung ist größenrichtig und ganz fein aufgebracht. Alle Farbtrennkanten sind gestochen scharf und Farbverläufe konnten keine festgestellt werden. Die Handläufe besehen aus dünnen Kunststoffstreben. Diese sind sehr flexibel, so dass die Bruchgefahr minimiert wurde. Auch die fein gestalteten Rangiertritte können gefallen. Besonders gut und stimmig ist den Sonnebergern der Dachgarten der BR 150 gelungen. Die Farbgebung der Leistungen, die Isolatoren und auch die Stromabnehmer wurden sehr gut ins Modell umgesetzt. Alle Fensterscheiben sind passgenau eingesetzt und geben den Blick ins Innere der Führerstände und seitlich auf die angedeutete Maschinenraumeinrichtung frei.

Die Führerstände wurden ordentlich nachgebildet, die seitlichen Nachbildungen des Maschinenraums hingegen fallen sehr einfach aus. Außerdem sind alle Innendetails ein wenig zu hell ausgeführt. Hier wäre ein dunklerer Kunststoff besser gewesen. Auf einen Triebfahrzeugführer hat man bei PIKO verzichtet. Die seitlichen Lüftergitter sind korrekt ausgeführt worden, doch tät ihnen eine etwas stärkere Gravurtiefe gut. Die Lamellen wirken hier etwas zu flach

Die Drehgestelle und die Achsen wurden vorbildlich dargestellt. Viele Details, egal ob angesetzt oder angraviert, sind gut sichtbar und plastisch gestaltet worden. Dazu zählt auch der Indusi-Magnet zwischen den beiden Drehgestellen. Etwas problematisch ist der Sitz der beiden Pufferbohlen. Diese sind in zwei kleinen Löchern eingesteckt und fallen sehr leicht herunter. So verlor unsere Lok bei Testfahrten eine der beiden Pufferbohlen, die wir im Anschluss erst aufwändig suchen mussten.

3. Die Technik

PIKOs BR 150 besitzt einen starken, mittig sitzenden Motor inklusive Schwungmasse. Dieser treibt über Kardanwellen, Schnecken und Zahnräder vier der sechs Lokachsen an. Jeweils die mittlere Achse ist nicht angetrieben. Zur Stromabnahme werden aber alle zwölf Radsätze heran gezogen. Die Achsen weisen alle ein wenig Seiten- und Höhenspiel auf, so dass der Betrieb auch auf engen Radien und unsauber verlegten Gleisen sichergestellt ist. Leider sind je Drehgestell zwei Zahnräder freiliegend, so dass von unten Anlagendreck in die Antriebsblöcke gelangen kann. Durch ein leichtes Spreizen des Lokgehäuses, kann man dieses problemlos nach oben abziehen.

Direkt darunter befindet sich die moderne Platine mit PluX22-Schnittstelle. Außerdem wurde auf der Platine eine weitere Schnittstelle zum Anschluss von Susi-Modulen verbaut. Die Lok besitzt zwei größere Ausbuchtungen zur Aufnahme größerer Decoder, Energiespeicher und eines Lautsprechers. In der AC-Digital-Version ist serienmäßig ein Uhlenbrock-Decoder verbaut. Nach dem Lösen von drei kleinen Schrauben lässt sich die Platine gut nach oben abnehmen und man erhält den Zugang zum Antrieb der Lok.

Die Beleuchtung erfolgt, wie heut zu Tage üblich, mit weißen und roten SMD-LED, wobei PIKO bei der BR 150 den unteren SMD-LED in einer eigenen kleinen Beleuchtungseinheit mit Platine zusammengefasst hat und die SMD-LED für das obere Spitzenlicht direkt auf der Lokplatine angelötet hat. Über Lichtleiter wird dann das Licht zur oberen Lampenfassung weiter geleitet.

Die SMD-LED für das weiße und rote, untere Licht, sitzt direkt hinter den Scheinwerfern. Unerwünschtes Streuen des Lichtes konnten wir bei dieser Lok nicht feststellen. Beim genauen Blick auf die Platine stellt man auch fest, dass dort Kontaktpunkte zur Stromabnahme durch die Stromabnehmer vorhanden sind. Allerdings besitzen diese keine Kontaktlaschen um den Strom auch wirklich abgreifen zu können. Ob PIKO hierzu Ersatzteile anbieten wird, konnten wir bisher nicht ermitteln.

4. Fahreigenschaften der PIKO BR 150

Unser digitales Testmodell setzte sich bereits ab Fahrstufe eins mit einem leichten Surren in Bewegung. Je höher wir die Fahrstufen regelten, desto leiser wurde die Lok. Dabei konnten wir keine Sprünge in der Geschwindigkeitszunahme feststellen. Gleichmäßig fuhr die Lok an und behielt ihre ruhige Fahrweise über den gesamten Regelbereich. Mit rund einer Loklänge ist der Auslauf auch ausreichend bemessen um kleinere Problemstellen der Modellbahnanlage überfahren zu können. Dank ihres sehr hohen Reibungsgewichtes von 439 Gramm schafft es das PIKO-Modell die benötigte Zugkraft einer schweren Güterzuglokomotive auf die Gleise unserer Testanlage zu bringen.

Darüber hinaus besitzt die BR 150 pro Drehgestell einen Haftreifen, jeweils an der hinteren Achse. Bei 100 Achsen beendeten wir unseren Zugkrafttest, ohne dass die Lok bis dahin an ihre Grenzen gekommen wäre. Dabei zog das Testmodell den Zug über eine Wendel und auch noch eine 3 %-ige-Steigung hinauf. Nur die vorbildliche Höchstgeschwindigkeit konnte unsere Lok nicht erreichen. Mit gemessenen 86 km/h lag sie deutlich unter der Vorbild Vmax von 100 km/h. Doch der verbaute Decoder hat bei den Einstellwerten noch genügend Platz nach oben. Beim Analogtest beschleunigte die Lok dann auf gemessene 107 km/h, womit sie wieder voll in den NEM-Werten liegt.

5. Maßstäblichkeit des H0-Modells

Mit 22,7 mm Länge über Puffer trifft sie fast genau die Vorbildwerte. Gleiches gilt für die Maße in der Höhe und Breite. Auch der Achsabstand, sowohl zwischen den Achsen der einzelnen Drehgestelle, als auch zwischen den Drehgestellen wurde exakt getroffen.

6. Mitgelieferte Dokumentationen

Der Verpackung liegen die bereits bekannten, vielfältigen Anleitungen und Dokumentationen bei. Mehrsprachig gedruckt und gut bebildert findet hier jeder die passende Beschreibung. Das gilt auch für die Explosionszeichnung mit der Ersatzteilübersicht.

Fazit des Tests der BR 150

Den positiven Gesamteindruck der letzten PIKO-Modelle in der Expert-Reihe setzt die BR 150 anstandslos fort. Für eine Lok dieser Preisklasse erhält der Modellbahner und Sammler eine sehr gut detaillierte Lok, mit einwandfreier Bedruckung und Lackierung und ausgewogenen Fahreigenschaften. Somit ist das PIKO-Modell der BR 150 quasi im doppelten Sinne eine Einheitslok, denn sie fasst alle Eigenschaften eines guten Modells zusammen und bildet so eine stimmige Einheit. 

(Text und Bilder: Dieter Holtbrügger)

 

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