BRAWA Gravita 10BB und 15BB Nenngröße H0

Die Gravita von BRAWA in der Nenngröße H0
Die Gravita von BRAWA in der Nenngröße H0
Die Gravita macht auf der Anlage einen hervorragenden Eindruck
Die Gravita macht auf der Anlage einen hervorragenden Eindruck

Kurz vor Weihnachten 2013 gelangten die ersten Modelle der Gravita 10BB und 15BB von Brawa in den Handel. Die ersten Liefer-serien waren so schnell ausverkauft, dass wir Ihnen das Modell nicht früher vorstellen konnten. Aber wurde das neue Diesel-Kraftpaket zu Recht den Händler so schnell aus den Regalen gekauft? In einem Kurztest stellen wir Ihnen die Lok vor. Einen ausführlichen Test werden Sie dann auch noch erhalten. Dazu warten wir aber das gerade angekündigte Modell von ESU ab. Dann werden wir für Sie die Gravita 10 BB in der Premium-Edition von Brawa mit der ESU-Lok vergleichen.

Das Modell, sowohl der kleinen wie auch der großen Gravita, macht bereits auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Alle Proportionen des Vorbilds, auch die mit Schrägen versehenen Aufbauten wurden von Brawa exakt und maßstäblich ins Modell umgesetzt.

Insbesondere die vielen und schier unzähligen feinen Details fallen den Betrachter sofort ins Auge. Die ganz neu konstruierten Drehgestelle sind ein Traum, die feinen Fußtritte und die Lüftergitter, wie auch das beweglich nachgebildete Lüfterrad sind sehenswert. Umso erschreckender ist, dass Brawa die Handläufe aus billigstem Plastik gefertigt hat. Wir haben hier nicht nur unser Testmodell zur Kontrolle herangezogen, sondern sind auch in den Fachhandel gegangen und haben uns noch vorrätige Fahrzeuge angeschaut. Auch die Ausstellungsmodelle auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg 2014 wiesen die gleichen Fehler und Mängel auf. Bei keiner Lok waren die Handläufe alle gerade und bei jeder Lok konnten wir noch die Grate der Spritzlinge ausmachen. Bei einem Hersteller der soviel Wert auf Details und eine gute Optik legt, ist dies ein unverständlicher Mangel den Brawa schnellstens abstellen sollte.

Ähnlich fällt die Beurteilung bei der Beleuchtung der Lok aus. Unbeleuchtet hat Brawa die LED-Lampen der Gravita faszinierend echt dargestellt. Schaltet man aber dann das Licht im Digitalbetrieb an oder lässt die analoge Lok losfahren, dann erstrahlen nicht nur das normale 3-Licht-Spitzensignal, sondern auch die Fernscheinwerfer in voller Helligkeit mit. Diese lassen sich auch in der Digitalversion nicht ausschalten. Nur bei der angekündigten Premium-Ausführung wird dieses Licht schaltbar sein.

Bedenkt man wie selten Lokführer das Fernlicht einschalten und beachtet an, dass die Gravita auch eine Rangierlok ist und man bei Rangier-fahrten grundsätzlich kein Fernlicht an hat, dann ist diese Beleuchtungsvariante eine glatte Fehlkonstruktion. Für uns ist diese Wahl absolut nicht nachvollziehbar. Um das Fernlicht abschalten zu können, muss der Modellbahner entweder die Platine bearbeiten oder die Lichtleiter zu den Fernlichtern ausschalten. Dies ist aber mit einem erheblichen Aufwand verbunden und nur von erfahrenen Modellbahnern durchführbar. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass damit die Garantie der Lok ungültig wird.

Das nah bei einander liegende Pro und Kontra geht auch bei den Fahreigenschaften weiter. Mit der Stromabnahme hat die Gravita von Brawa keine Probleme. Das Lokgewicht ist groß genug und die Zugkraft ebenfalls um vorbildliche Züge auch noch eine 3%-Rampe herauf zu ziehen. Die Lok setzt sich schon bei rund 2,5 Volt, bzw. Fahrstufe 1 langsam und gleichmäßig in Bewegung. Der Motor reagiert ruhig und ohne erkenn-bare Sprünge auf Veränderungen am Fahrregler. Die beiden Schwungmassen sorgen für einen gleichmäßigen Lauf und für genügend Nachlauf um auch kurze dreckige Schienen oder Stromunterbrechungen zu überwinden. Leider rast das Modell mit rund 190 km/h über die Anlage. Im Digitalbetrieb ist das Modell noch etwas schneller als im Analogbetrieb und das, obwohl laut Brawa der ESU-Decoder exakt auf das Modell ab-gestimmt wurde. Bei der heutigen Produktionstechnik und den NEM-Vorgaben eine überraschende Überschreitung der Vmax.

Letzter Punkt auf unserer Hop- und Top-Liste ist die Kupplung. Brawa hat bei der Konstruktion der Gravita auf eine Kurzkupplungskulisse verzichtet. Das führt dazu, dass sich in engen Radien und die Gravita ist für 360 mm ausgelegt, Lok und Waggon sehr nahe kommen. Hier sind die Federpuffer Fluch und Segen zugleich. Während die nachgebenden Pufferteller in der Regel für eine sichere Kurvenfahrt sorgen, kommt es bei der Kombination mit einigen Waggons aber dazu, dass in engen Kurven und im Schubdienst die Federpuffer gerade jetzt an den starren Kupplungen der Waggons vorbei springen und sich dann bei der Kurvenausfahrt die Puffer verhaken und die Waggons zum Entgleisen führen. Hier sollte man die Gravita nicht zum Rangieren auf Industrieradien einsetzen und sie möglichst auch nicht schiebend eine Rampe herauf schicken.

Fazit: Noch nie haben wir eine Lok getestet bei der positive und negative Eindrücke so eng beieinander gelegen haben. Feinste Details auf der einen Seite und billigstes Material auf der anderen. Und vor allem eine Beleuchtung die komplett am Modellbahnbetrieb vorbei geht. Dennoch ist die Gravita ein gut gelungenes Modell mit ausgewogenen Fahreigenschaften.

(Dieter Holtbrügger)

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