Mittwoch 28. Dezember 2016
Wagenklassen (Deutschland)

Modellbahn-Lexikon: Vorbildnahe Wagenklassen spielen bei Personenzügen eine wichtige Rolle

Märklin-Modell für die Spur H0 (Art.-Nr.43931): DB Schnellzugwagen mit Abteilen 1. und 2. Klasse, Wagentyp ABm225

Märklin-Modell für die Spur H0 (Art.-Nr.43931): DB Schnellzugwagen mit Abteilen 1. und 2. Klasse, Wagentyp ABm225

Bei Eisenbahn-Unternehmen bezeichnet die Wagenklasse die Personenbeförderung in Wagen auf einem bestimmten Komfortniveau. Üblicherweise werden die Wagenklassen nummeriert, die „1. Klasse“ bezeichnet die Klasse mit dem höchsten Komfort- und Service-Niveau. Die Unterschiede in den Wagenklassen beinhaltet unter anderem die Beschaffenheit der Sitze (gepolstert, Leder-, Vis-à-vis- oder Reihensitze), die Beinfreiheit (Abstand der einzelnen Sitze), Abteil- oder Großraumwagen, beheizbare und klimatisierte Wagen, Verstärker für Handys, Ruhezonen, Steckdosen, Tische, Sonnenschutzrollos usw.

Darüber hinaus können mit einer Wagenklasse weitere Service-Leistungen verbunden sein, sowohl vor der Reise (spezielle Wartebereiche in Bahnhöfen wie die „DB Lounge“) als auch im Zug (kostenlose Getränke, Mahlzeiten oder Zeitungen). Von der Wagenklasse (in gemischten Zügen) nicht oder nur bedingt abhängig sind Pünktlichkeit und Schnelligkeit des Zuges, Streckenführung, Beschaffenheit der Bahnhöfe und der Strecke. Je nach Zuggattung (z. B. im Vergleich von ICE mit der Regionalbahn) schwanken Preis, Komfort und Service der Wagenklasse erheblich. Wagen der ersten Klasse haben eine geringere Kapazität als Wagen der zweiten Klasse, da sie jedem Fahrgast mehr Platz bieten.

Am 3. Juni 1956 wurde in Deutschland mit Beginn des Sommerfahrplans das heute in Europa den Standard bildende Zweiklassen-System eingeführt. Die alte erste Klasse wurde abgeschafft, die zweite Klasse in „erste Klasse“, die alte dritte Klasse in „zweite Klasse“ umbenannt. Zugleich mit dieser Klassenreform wurde der Markierungsstreifen über den Fenstern der ersten Klasse europaweit eingeführt, um diesen Bereich für Reisende leichter erkennbar zu machen. Nicht mehr verwendet wird diese Kennzeichnung in Deutschland im Fernverkehr (IC und ICE) und bei einigen Anbietern des Regionalverkehrs.

Historische Entwicklung der 1. bis 4. Wagenklasse

Zum historischen Beginn des Personenverkehrs im 19. Jahrhundert wurden vier Wagenklassen eingesetzt: 

  1. Die 1. Klasse war gekennzeichnet durch großzügige Abteile und hochwertige Stoffpolsterung. Heute wird eher ein Leder- oder Kunstlederbezug verwendet, der hygienischer ist und sich leichter reinigen lässt.
  2. Erkennungsmerkmale der 2. Klasse sind Abteile mit Stoffpolsterung der Sitze, später wird Kunstleder verwendet. Heute ist die 2. Klasse die verbreiteteste Wagenklasse bei der Personenbeförderung mit einem Anteil von – ganz grob und abhängig vom Zugtyp – 70 Prozent an den Sitzplätzen eines Personenzuges.
  3. Historisch entsprach die 3. Klasse, anfänglich meist noch offen, den Außensitzen der damaligen Postkutschen. Später waren für die 3. Klasse Sitzgruppen und Abteile mit Holzsitzen oder Holzbänken typisch. Die 3. Klasse wurde erst 1956 abgeschafft.
  4. In Preußen verkehrten 1852 erstmals Personenzüge mit Wagen der 4. Klasse. Die 4. Klasse ist gekennzeichnet durch Großraum für Traglasten, einfache Holzbänke längsseits an den Seitenwänden und Stehplätze. Zu Anfang waren auch viele Wagen der vierten Klasse noch „Sommerwagen“ ohne Fenster und teilweise auch ohne Dach. Abgeschafft wurde die 4. Klasse 1928, die meisten dieser Wagen wurden danach als 3. Klasse deklariert.

Vorbildnahe Wagenklassen bei der Modelleisenbahn

Die Zusammenstellung von Personenzügen unter Berücksichtigung der Wagenklassen ist beim großen Angebot von Rollmaterial zumindest in den verbreiteten Nenngrößen H0 und N recht problemlos. Einschränkungen gibt es insbesondere bei der Nachbildung von Garnituren der Epoche I, – Stichwort 4. Klasse – da ist das Angebot in allen Spurweiten gering und nur Kleinserien, Eigenbauten oder Modifikationen vorhandener Großserien-Modelle können für den gewünschten Realismus der Darstellung sorgen.

Bei der Zusammenstellung von Modellbahn-Personenzügen sollten aber trotzdem die Wagenklassen soweit möglich eine Rolle bei der Auswahl der Waggons für die Garnitur spielen. Als Verhältnis zwischen Wagen erster und zweiter Klasse bei gemischten Garnituren ab 1956 ist etwa 20/80 bis 30/70 anzunehmen, also sollten unter 10 Personenwaggons 2 oder 3 Waggons der ersten Klasse unterwegs sein. Orientieren Sie sich an den verwendeten Wagenklassen und der Wagenreihung der Vorbildbahn, werden Ihre Modellbahn-Züge automatisch an Realismus gewinnen.

(Textquellennachweis: Dieser Beitrag enthält auszugsweise Textabschnitte aus der freien Dokumentation Wikipedia. Diese Textabschnitte stehen unter der Lizenz „Creative Commons Attribution / Share Alike“. Sie erreichen den betreffenden Wikipedia-Beitrag am nachfolgenden Link.)

Von: Rudolf Ring