Sonntag 22. Januar 2017
AdW Modellbahn-Anlage

Modellbahn-Lexikon: Eine AdW-Anlage ist eine Modellbahn-Anlage "An-der-Wand" entlang

Eine AdW-Anlage wie diese Beispielanlage in der Nenngröße H0 mit einer Steuerung per Uhlenbrock Intellibox kann durchaus neben dem Bahnbetrieb auch noch ein Car-System aufbieten. AdW-Anlagen bieten sich insbesondere auch für einen Pendelzugbetrieb an, denn damit wird keine raumgreifende Kehrschleife oder Gleiswendel benötigt.

Eine AdW-Anlage wie diese Beispielanlage in der Nenngröße H0 mit einer Steuerung per Uhlenbrock Intellibox kann durchaus neben dem Bahnbetrieb auch noch ein Car-System aufbieten. AdW-Anlagen bieten sich insbesondere auch für einen Pendelzugbetrieb an, denn damit wird keine raumgreifende Kehrschleife oder Gleiswendel benötigt.

Einer der größten und berechtigten Kritikpunkte an klassischen Modellbahn-Anlagen in der Form der rechteckigen „Modellbahn-Platte“ ist das Fahren in einem oder mehreren Ovalen. Ein solche Gleisplan-Streckenführung ist nicht nur völlig vorbildfern, zudem erlahmt auch der Spielspaß recht schnell und ein sinnstiftender Modellbau ist auch kaum möglich – welcher Ort ist schon von Gleisen „umzingelt“?

Als Antwort auf die klassische Modellbahn-Platte empfiehlt die Fachzeitschrift MIBA seit Jahrzehnten die AdW-Anlage – die „An der Wand-Modellbahn-Anlage“. Welchem Redakteur die Ehre zuteil ward, den Begriff der AdW-Anlage in den Modellbahn-Jargon eingeführt zu haben, ist zwar unklar, aber die AdW-Anlage ist trotzdem zu einem festen Begriff im Modellbahner-Jargon geworden.

Die Vorteile der Modellbahn AdW-Anlagen

AdW-Anlagen bieten Ihnen im Vergleich zur klassischen Modellbahn-Platte eine Reihe von Vorteilen: 

  1. Es kann ein Gleisplan mit einem sinnvollen Betrieb von A nach B realisiert werden, je nach Anlagengröße auch mit mehreren Haltepunkten und Zwischenbahnhöfen. Mit einer AdW-Anlage ist eine optimale Ausnutzung der gegebenen Raummaße möglich.
  2. AdW-Anlagen sind ideal für einen ein- oder zweigleisigen Pendelzugverkehr, der sich im Analog- und Digitalbetrieb auf Wunsch vollautomatisch steuern lässt.
  3. Vorteil der AdW-Anlage für den Modellbauer: Bahnhöfe und Streckenführung lassen sich funktional vorbildnah gestalten. Beispielsweise können die Endpunkte im Gleisplan mit einem Kopfbahnhof gestaltet werden.
  4. AdW-Anlagen sind ja keineswegs auf eine Wand beschränkt. Wer die Möglichkeit hat, eine AdW-Anlage an mehreren Wänden entlang zu führen, der kann einen sinnvollen Eisenbahn-Betrieb mit langen Fahrzeiten gestalten.
  5. Für Fans von Hochgeschwindigkeitszügen wie ICE und Thalys bieten die AdW-Anlagen einen weiteren Vorteil: Während die klassische Modellbahn-Platte kaum großzügige Kurvenradien und damit vorbildnah hohe Maximalgeschwindigkeiten erlaubt, ist dies bei einer AdW-Rundum-Anlage deutlich einfacher zu realisieren. Anders gesagt: Mit der AdW-Anlage können Sie richtig „Strecke machen“.
  6. An jeder Stelle einer AdW-Anlage können Sie Ihrem Rollmaterial aus nächster Nähe bei der Arbeit zuschauen. Die Garnituren fahren nicht „weg“ in einen entfernten Anlagenhintergrund. Das ist auch speziell beim Rangieren ein erheblicher Betriebsvorteil.
  7. Zudem können die Wände nicht nur zur Befestigung, sondern auch zur Gestaltung oder Befestigung einer Hintergrundkulisse dienen. AdW-Anlagen bieten Ihnen gestalterisch die Möglichkeit, mit effekt- und stimmungsvoller Ausleuchtung auch ein wohnzimmertaugliches Modellbahn-Arrangement und einen sehr attraktiven Blickfang für einen Raum zu bilden. Zum Beispiel ist an einer AdW-Anlage eine hinterleuchtete Kulisse ein absoluter Hingucker.  

Nachteile von Modellbahn AdW-Anlagen

Die Nachteile von AdW-Anlagen im Vergleich zur klassischen Modellbahn-Platte sind gering, aber in der Planungsphase für eine Anlage durchaus zu beachten:

  1. Zwangsläufig kommt man bei einer AdW-Anlage nur von einer Seite an die Ober- und Unterseite der Anlage heran. An der Unterseite ist das weniger problematisch, man kann ja „krabbeln“. An der Oberseite ist das hingegen ein Problem, man muss mindestens mit Greifern verunglückte Züge noch aufnehmen können. Insbesondere unter diesem Aspekt sind Tunnelbauten im Hintergrund auf AdW-Anlagen generell keine so gute Idee. Um die Erreichbarkeit des hinteren Teils eine AdW-Anlage sicherzustellen, sollte sie eine Tiefe bis maximal 80 cm haben. Wenn Sie es genau wissen möchten, orientieren Sie sich an der DIN 33402 „Ergonomie – Körpermaße des Menschen“.
  2. Die relativ geringe Anlagentiefe bringt noch einen weiteren Nachteil mit sich. Denn sogar ein einfacher 180-Grad Standard-Kreisbogen in der Nenngröße H0 hat schon einen Gleisradius von 720 mm. Gleisfiguren wie eine Gleiswendel passen also nicht unmittelbar in eine AdW-Anlage hinein, sondern müssen speziell ergänzt werden, z.B. durch die Anordnung in der Ecke eines Raumes.
  3. Komplexe Betriebsdarstellungen wie ein Betriebswerk oder eine Drehscheibe sind in AdW-Anlagen kaum darstellbar, wenn man mal von den „kleinen“ Maßstäben N und Z absieht. Dies wirkt sicher zunächst wie ein Nachteil, aber dafür können Sie sich auf einer AdW-Anlage mit schönem Fahrbetrieb auf der Strecke entschädigen.
Von: Rudolf Ring