H0e: Modulanlage Timmelstein zeigt sächsischen Schmalspurbetrieb

  • H0e: Modulanlage Timmelstein zeigt sächsischen Schmalspurbetrieb

Schön, dass Sie den Schmalspurzug in Timmelstein spontan verlassen haben und an diesem Bahnhof einen kurzen Aufenthalt einlegen. Sie befinden sich mitten in Sachsen – irgendwo im Mügelner Schmalspurnetz, wo es auf 750-mm-spurigen Gleisen recht beschaulich zugeht. Die Station Timmelstein auf der H0e-Anlage ist natürlich frei erfunden, zeigt aber im Gleisplan typische Elemente einer sächsischen Schmalspurstation. Der in kurzer Entfernung parallel daneben liegende Normalspur-Haltepunkt entspricht einer Vorbildsituation aus dem Erzgebirge.

Vielleicht irritiert Sie ein wenig das zerzupfte Anlagen-Gefüge. Es kommt zu Stande, weil auf einer Ausstellung nur einige meiner H0- und H0e-Module Platz gefunden haben – eben das, was in meinen Pkw hineinpasst. Komplett ist das Schaustück zuhause zweimal so groß und soll in absehbarer Zeit im regelspurigen Teil seinen Abschluss in einem H0-Endbahnhof finden. Aber was halte ich Sie hier mit meinen Ausführungen auf – Sie wollen doch sicher mit dem nächsten Zug weiter? Also schauen Sie sich in Ruhe um und lassen Sie sich anstecken von der Gemütlichkeit in H0e!

Ah ja, Ihre fragenden Blicke lassen vermuten, dass doch noch einige Erläuterungen nötig sind. Also, wenn Sie nach rechts durch die Brücke hindurch schauen, entdecken Sie einen Gleisanschluss einer Ziegelei. In diesem VEB-Zweigwerk des Kombinates „Ton & Scherben“ wird hier natürlich dreischichtig gearbeitet. Insofern ist am Ladegleis rund um die Uhr etwas los, werden entweder O-Wagen mit fertigen Erzeugnissen beladen, oder es kommen Güterwagen an, die Zuschlagstoffe für die Tonaufbereitung und Kohlengrus fürs Brennen der Dachziegel und Ziegelsteine bringen.

Von Ihrem Standpunkt am Hausbahnsteig aus direkt gegenüber liegt das kleine Bahnbetriebswerk mit eingleisigem Lokschuppen, der durchaus zwei kurze Tenderlokomotiven aufnehmen kann, also zweiständig ist. Davor zweigt ein Gleis ab, auf dem die Rangierlok des Bahnhofs und zeitweise auch der Triebwagen VT 133 322 abgestellt werden können. Ab und an wird auch ein O-Wagen mit Kohle am Kohlenbansen geparkt, der mühsam per Hand und Schaufel entleert werden muss.

Wenn Sie nach links schauen, entdecken Sie auf der gegenüberliegenden Seite der Bw-Gleise den Anschluss der Bahnmeisterei mit kleinem Unterstand für die Motordraisine. Gegenüber liegt die Bäuerliche Handels-Genossenschaft, die natürlich auch über ein Anschlussgleis verfügt, auf dem ein- bis zweimal in der Woche ein G-Wagen gesackte Ware wie Dünger, Zement oder Pflanzerde bringt und ein R-Wagen nässeunempfindliches Baumaterial heranschafft.

Weitaus mehr Frachtbetrieb wird Ihnen linkerhand an der Ladestraße und am Güterschuppen geboten. Denn hierher kommen die Lastkraftwagen und Fuhrwerke der zahlreichen kleineren Firmen der Region, um ihre Güter umzuschlagen. Und wenn Sie sich fragen, woher die Rangiereinheit kommt, die zwei auf Rollwagen aufgeschemelte X-Wagen mit Holzstämmen am Haken hat: Die war gerade am Holzverladeplatz, der weit vor dem Bahnhof in Höhe der Blockstelle „Birkenweiher“ liegt – und zwar genau an der Stelle also, wo sich die Schmalspurtrasse aus dem Dreischienengleis ausfädelt, ähnlich wie es einst in Wolkenstein der Fall war.

Der benachbarte, betrieblich an den Bahnhof Timmelstein angebundene Hafen ist angelehnt an den einstigen Elbhafen Strehla. Es liegt natürlich Jahrzehnte zurück, dass hier Schiffe und Bahn Güter austauschten. Aber sicherlich haben Sie längst schon an den Fahrzeugen und eisenbahntechnischen Bauten erkannt, dass es auf dieser Modellbahnanlage sowieso recht historisch zugeht. Gezeigt wird das Leben und Treiben in einem südöstlichen Landstrich der einstigen DDR, wie es sich Anfang der 1970er Jahre zugetragen haben könnte. Insofern fahren hier auch DR-Fahrzeuge der Epochen III und IV gemeinsam.

Bleibt mir nur noch ein Wort zu verlieren über den Startpunkt Ihrer Reise: den Schiebe-Schatten-Bahnhof. Er ist als Schublade ausgebildet, auf der die kompletten Züge beider Nenngrößen H0 und H0e auf je ein Meter langen Gleisstücken abgestellt sind. Links und rechts an die Schublade schließen sich die festen Abstellgleise für die Triebfahrzeuge an. Da die gesamte Anlage analog gesteuert wird, werden diese je 30 cm langen Stumpfgleise über einen einpolig trennenden Drehschalter mit Spannung versorgt. Die Gleise der Schublade hingegen stehen ständig unter Strom, verbunden mit dem festen Teil über ein Telefonspiralkabel. Unter der Schublade ist übrigens genügend Stauraum, um während des Transports sämtliche Fahrzeugmodelle ablegen zu können; sie ruhen auf Menninghaus-Schaumstoffliegen.

So, nun haben Sie die Heimat meiner sächsischen Eisenbahnfahrzeuge in groben Zügen kennengelernt. Da es noch Zeit ist, bis Ihr nächster Zug fährt, könnten Sie noch kurz die Bahnhofswirtschaft besuchen. Der Wirt freut sich immer, wenn mal ein unbekanntes Gesicht vorbeischaut und etwas Neues aus der Welt abseits von Timmelstein zu berichten hat. Ins Dorf selbst schaffen Sie es nicht mehr, es liegt einen guten Kilometer vom Bahnhof entfernt. Aber den kurzen Spaziergang unter der Brücke hindurch zur Koppel dahinter könnte ich Ihnen noch empfehlen – sozusagen zur idyllischen Seite dieser Anlage. Also machen Sie’s gut und einen schöne Reise nachher zurück ins wahre Leben!

(Modellbau, Text- und Bildmaterial: Peter Wieland)